Stellen Sie sich vor: Sie wollen Ihr Zuhause barrierefrei machen - aber das Budget reicht nicht für eine Vollsanierung. Die Küche ist steil, das Bad hat keine Dusche, die Türen sind zu schmal. Sie fühlen sich eingeschränkt, aber die Kosten scheinen unmöglich. Was tun? Die Lösung: Umbau in Etappen. Nicht alles auf einmal, aber gezielt und mit klaren Gewinnen. Viele Hausbesitzer in Österreich und Deutschland machen es so. Und es funktioniert.
Warum Etappen? Weil das Geld nicht reicht - und das ist normal
Die meisten Menschen können sich keine komplette Barrierefreiheit auf einmal leisten. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus September 2025 geben 68 % der Haushalte an, dass sie nur etappenweise sanieren, weil sie sich eine Vollsanierung nicht leisten können. Das ist keine Schwäche. Das ist Realität. Die Deutsche Bundesbank bestätigt: 63 % der deutschen Haushalte haben keine finanziellen Reserven von mehr als 10.000 Euro. Ein vollständiger barrierefreier Umbau kostet aber oft 20.000 bis 50.000 Euro. Da bleibt nur eine Option: planen, priorisieren, schrittweise vorgehen.
Ja, es ist teurer, in Etappen zu bauen. Laut 4waende.de steigen die Gesamtkosten um bis zu 15-20 %, weil Handwerker mehrfach anreisen, Materialien teurer werden, und Zwischenräume abgesichert werden müssen. Aber: Wenn Sie nichts tun, bleibt das Zuhause unzugänglich. Und das ist teurer als jede Bauphase.
Die drei Prioritäten: Was muss zuerst passieren?
Nicht alles ist gleich wichtig. Wer barrierefrei baut, muss klug entscheiden. Hier sind die drei höchsten Prioritäten - in Reihenfolge.
- Sicherheit und Gesetze: Wenn Sie Stufen überwinden müssen, ist das kein Ärgernis - das ist ein Risiko. Stürze sind die häufigste Ursache für Unfälle im Alter. Erste Maßnahme: Treppen absenken oder eine Rampe einbauen. Oder: eine ebenerdige Dusche statt Badewanne. Das ist nicht nur bequem, das ist lebenswichtig. Und: In Österreich und Deutschland gelten hier klare Normen. Die ÖNORM B 1600 und DIN 18040 legen Mindestbreiten von 90 cm für Türen und 150 cm für Wendekreise fest. Wenn Sie das nicht einhalten, ist es kein barrierefreier Umbau - das ist nur Dekoration.
- Funktionale Räume: Was nutzen Sie täglich? Die Küche. Das Bad. Die Eingangstür. Diese Räume müssen zuerst barrierefrei werden. Ein breiteres Badezimmertor? 800-1.500 Euro. Eine höhenverstellbare Küchenzeile? 2.000-4.000 Euro. Beides ist machbar. Und: Diese Arbeiten benötigen oft keine Baugenehmigung. Laut Mobiliar.ch brauchen Sie für Umstellungen von Wasser- und Elektroanschlüssen in Küche oder Bad nur eine Anzeige. Das spart Zeit - und macht den ersten Schritt leichter.
- Schnittstellen: Denken Sie an die Leitungen. Wenn Sie in Etappe 1 die Küche modernisieren und in Etappe 3 die Wände neu verlegen, müssen Sie die Elektro- und Wasserleitungen zweimal aufschneiden. Das kostet extra. Besser: In der ersten Phase alle Leitungen erneuern - auch wenn die Endausstattung noch fehlt. So vermeiden Sie doppelte Arbeiten. Ein Beispiel: Wenn Sie später die Fußbodenheizung einbauen, aber die Leitungen noch nicht verlegt sind, müssen Sie den Boden wieder aufbrechen. Das kostet 3.000-5.000 Euro mehr. Planen Sie die Schnittstellen von Anfang an.
Schnellgewinne: Kleine Schritte, große Wirkung
Barrierefreiheit muss nicht immer groß sein. Manchmal reicht ein kleiner Trick - und schon ist der Alltag einfacher. Diese Maßnahmen kosten wenig, bringen sofort Ergebnisse und motivieren für die nächste Etappe.
- LED-Beleuchtung: 200-500 Euro für das ganze Haus. Und Sie sparen bis zu 80 % Energie. Besonders wichtig: In Fluren, Treppen und Bädern brauchen Sie helle, blendfreie Lichtquellen. Keine Dunkelheit, keine Schatten - das verhindert Stürze.
- Armaturen wechseln: Klassische Hebelgriffe statt Knöpfe. Das kostet 50-150 Euro pro Waschbecken. Wer Arthrose hat, kann nicht mehr drehen. Aber drücken? Kein Problem. Das ist ein klassischer Schnellgewinn.
- Haltegriffe einbauen: Nicht nur im Bad. Auch neben der Toilette, im Flur, vor der Dusche. Die Griffe kosten 30-80 Euro pro Stück. Die Montage: 50-100 Euro. Und sie verhindern Stürze. Das ist keine Luxuslösung - das ist medizinische Notwendigkeit.
- Türschwellen abbauen: Eine Stufe von 2 cm kann schon ein Hindernis sein. Wenn Sie die Schwelle absenken oder ganz entfernen, kostet das 300-800 Euro - je nach Bodenbelag. Das ist eine der wirksamsten Maßnahmen für Rollstühle, Gehhilfen oder Kinderwagen.
- Beläge wechseln: Rutschfeste Fliesen? 25-40 Euro pro Quadratmeter. Holzparkett mit rutschhemmender Beschichtung? 40-60 Euro pro Quadratmeter. Das ist billiger als ein neuer Boden. Und Sie behalten das Aussehen.
Das sind keine Großprojekte. Aber sie verändern Ihr Leben. Und sie sind schnell gemacht. Einige davon schaffen Sie sogar selbst. Das ist der Trick: Jede kleine Verbesserung gibt Ihnen Kraft für die nächste.
Was Sie vermeiden müssen - und warum
Ein Fehler, den viele machen: Sie planen zu viele Etappen. Zwei, drei, fünf - und am Ende ist Ihr Haus ein Baustellen-Mosaik. Die Architektenkammer Deutschland warnt: „Zu viele Etappen führen zu inkompatiblen Lösungen.“ Das heißt: Sie bauen eine Tür breiter, aber die Wand dahinter bleibt schmal. Später müssen Sie alles wieder aufbrechen. Oder: Sie legen neue Fliesen, aber die alte Heizung steht noch mitten im Raum. Das ist teuer. Und frustrierend.
Ein weiterer Fehler: Sie ignorieren die Materiallieferzeiten. Spezielle Duschwannen, breite Türen oder rollstuhlgerechte Küchenfronten brauchen bis zu 12 Wochen Lieferzeit. Wenn Sie das nicht einplanen, steht Ihre Baustelle still - und Sie zahlen weiter Zinsen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt: Machen Sie eine Liste mit allen Materialien - und fragen Sie vorher nach der Lieferzeit. Schreiben Sie sie auf. Nicht nur im Kopf.
Und: Vermeiden Sie „nur für heute“-Lösungen. Ein mobiler Treppenlift ist praktisch - aber er ist kein Ersatz für eine Rampe. Ein Klappgriff an der Dusche ist gut - aber kein Ersatz für eine feste Haltestange. Denken Sie langfristig. Was hilft in 10 Jahren? Was braucht Ihr Körper dann?
Wie Sie die Etappen planen - Schritt für Schritt
Keine Etappenplanung ohne klare Struktur. Hier ist ein Praxis-Plan, der funktioniert.
- Grobplanung (3-4 Monate vorher): Was ist Ihr Ziel? Wer nutzt das Haus? Welche Einschränkungen haben Sie? Schreiben Sie alles auf. Machen Sie eine Liste: „Was muss?“, „Was wäre schön?“, „Was kann warten?“
- Finanzplanung: Wie viel können Sie pro Jahr ausgeben? Setzen Sie eine Obergrenze. Nutzen Sie Förderungen: Seit Januar 2025 gibt es das „Baukindergeld Plus“ - es fördert auch Etappenumbauten, bis zu 120.000 Euro Gesamtkosten. Und: Die österreichische Wohnbauförderung zahlt bis zu 25 % für barrierefreie Maßnahmen.
- Erste Etappe: Schnellgewinne + Sicherheit: LED-Licht, Haltegriffe, Türschwellen abbauen, Armaturen wechseln. Alles, was unter 2.000 Euro kostet und in zwei Wochen fertig ist.
- Zweite Etappe: Funktionale Räume: Bad und Küche barrierefrei machen. Dusche einbauen, Küchenzeile anpassen, Türen verbreitern. Hier kommen die größeren Kosten - aber auch die größte Lebensqualität.
- Dritte Etappe: Schnittstellen & Struktur: Leitungen erneuern, Wände neu verlegen, Fußbodenheizung einbauen, Dachdämmung. Jetzt wird es technisch. Hier müssen Sie auf die Normen achten - und auf die Kompatibilität.
- Letzte Etappe: Details: Türen mit automatischer Öffnung, Smart-Home-Systeme, Lichtsteuerung per Sprache. Das ist das Bonus-Level. Nicht notwendig - aber schön.
Ein Tipp aus der Praxis: Machen Sie Fotos vor jeder Etappe. Und nach jeder Etappe. So sehen Sie den Fortschritt. Und wenn Sie mal verzweifeln - schauen Sie zurück. Sie haben schon viel geschafft.
Was sagt die Zukunft?
Der Trend ist klar: Mehr Menschen sanieren in Etappen. 2020 waren es 38 % der Sanierungen. 2025 sind es 57 %. Die Gründe? Höhere Preise, niedrigere Zinsen, längere Lieferzeiten. Aber auch: Die Menschen wollen selbst bestimmen. Sie wollen nicht warten, bis alles perfekt ist. Sie wollen jetzt besser leben.
Technisch wird es einfacher. Mit BIM-Software (Building Information Modeling) können Architekten heute digitale Modelle erstellen, die zeigen, wie jede Etappe die nächste beeinflusst. Sie sehen vorher, wo sich Rohre kreuzen - oder wo eine Tür später nicht mehr passt. Das reduziert Fehler. Aber: Die Software ersetzt nicht die Planung. Die bleibt Ihre Aufgabe.
Der Deutsche Mieterbund warnt: „Zu viele Etappen führen zu Baumängeln.“ Das stimmt. Aber das ist kein Grund, nicht zu beginnen. Es ist ein Grund, gut zu planen. Mit klaren Prioritäten. Mit realistischen Zielen. Mit Schnellgewinnen, die motivieren.
Barrierefreiheit ist kein Endziel. Sie ist ein Prozess. Und jeder Schritt zählt. Auch der kleine. Auch der erste.
Kann ich einen barrierefreien Umbau in Etappen auch selbst machen?
Ja - aber nur bei einfachen Arbeiten. Haltegriffe einbauen, LED-Lampen wechseln, Türschwellen abbauen, Armaturen austauschen: Das schaffen Sie selbst. Alles, was mit Elektrik, Wasser oder tragenden Wänden zu tun hat, braucht einen Profi. Und: Wenn Sie Fördermittel beantragen, müssen die Arbeiten oft von zertifizierten Handwerkern ausgeführt werden. Fragen Sie vorher bei Ihrer Förderstelle nach.
Wie lange dauert eine Etappe?
Das hängt von der Komplexität ab. Schnellgewinne wie Licht oder Haltegriffe: 1-3 Tage. Eine neue Dusche oder eine Küche: 2-6 Wochen. Die größten Etappen - wie Dachdämmung oder Leitungswechsel - brauchen 4-12 Wochen. Planen Sie immer 2-3 Wochen Puffer ein. Lieferverzögerungen und Wetter sind unvorhersehbar.
Welche Fördermittel gibt es für Etappenumbauten?
In Österreich gibt es die Wohnbauförderung - sie zahlt bis zu 25 % für barrierefreie Maßnahmen, auch wenn sie in Etappen erfolgen. In Deutschland hilft das „Baukindergeld Plus“ seit Januar 2025 - es fördert bis zu 120.000 Euro Gesamtkosten. Auch die KfW bietet Zuschüsse für Energie- und Barrierefreiheitssanierungen. Wichtig: Sie müssen den Antrag vor Baubeginn stellen. Und: Die Arbeiten müssen nach den geltenden Normen ausgeführt werden.
Was kostet ein barrierefreier Umbau pro Etappe?
Die ersten Etappen (Schnellgewinne) kosten 500-2.500 Euro. Die zweite Etappe (Bad und Küche) liegt bei 8.000-15.000 Euro. Die dritte Etappe (Leitungen, Dämmung) kostet 10.000-25.000 Euro. Die Gesamtkosten liegen oft zwischen 20.000 und 40.000 Euro - verteilt auf 2-4 Jahre. Das ist viel, aber machbar, wenn Sie schrittweise vorgehen.
Wie vermeide ich, dass die Etappen nicht zusammenpassen?
Planen Sie alle Etappen von Anfang an - auch wenn Sie sie nicht sofort umsetzen. Zeichnen Sie einen Grundriss. Markieren Sie, wo Türen, Leitungen und Wände stehen sollen. Fragen Sie einen Architekten oder einen Barrierefreiheitsberater, ob Ihre Pläne kompatibel sind. Und: Dokumentieren Sie jede Etappe mit Fotos und Bauplänen. So wissen Sie später, was wo verlegt wurde. Das verhindert teure Überraschungen.