Beim Neukauf von Küchengeräten steht nicht mehr nur das Design oder die Größe im Fokus - der Energieverbrauch entscheidet heute über langfristige Kosten und Umweltbelastung. Seit 2021 gilt in der EU ein völlig neues Energielabel für Küchengeräte, das alles verändert hat. Was früher A+++ war, ist heute oft nur noch D. Und das ist kein Fehler - es ist Absicht. Die EU hat die Regeln radikal verschärft, um echte Energieeinsparungen zu erzwingen. Wer heute einen neuen Kühlschrank, eine Spülmaschine oder einen Backofen kauft, muss dieses neue System verstehen, sonst zahlt er unnötig viel für Strom - und kauft vielleicht sogar ein Gerät, das technisch älter ist, aber besser aussieht.
Was hat sich am Energielabel geändert?
Früher gab es A+++, A++, A+ und dann A. Das sah gut aus, war aber irreführend. Fast alle Geräte lagen in A+++, und Unterschiede zwischen Modellen waren kaum sichtbar. Deshalb hat die EU 2021 ein komplett neues System eingeführt: nur noch A bis G. Keine Pluszeichen mehr. Klasse A ist dunkelgrün - das ist jetzt das Maximum. Klasse G ist rot - und wird gar nicht mehr verkauft. Denn seit März 2024 dürfen in der EU keine neuen Küchengeräte mehr mit der Klasse F oder G verkauft werden. Das bedeutet: Für Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühlschränke und Gefrierschränke gibt es heute nur noch die Klassen A, B, C, D und E. G und F sind vom Markt verschwunden.
Diese Änderung hat einen Grund: Die alten Klassen waren veraltet. Ein Kühlschrank, der 2015 noch A+++ war, würde heute mit dem neuen Label kaum noch D erreichen. Die neuen Messverfahren sind realistischer, strenger und berücksichtigen jetzt auch Stand-by-Verbrauch, Kälteverluste und den tatsächlichen Jahresverbrauch bei normaler Nutzung. Ein Gerät mit A+++ vom alten Label ist also nicht automatisch besser als ein Gerät mit D vom neuen Label - sie sind gar nicht vergleichbar. Der neue A-Klasse ist heute das, was früher A+++ war - und das ist sehr selten.
Was steht wirklich auf dem neuen Label?
Das neue Energielabel ist nicht nur farbig, sondern auch informativer. Neben der Effizienzklasse (A bis G) zeigt es jetzt klare Symbole:
- Stromverbrauch in kWh/Jahr: Das ist der wichtigste Wert. Er steht direkt unter der Klasse. Ein Kühlschrank mit 180 kWh/Jahr verbraucht mehr als einer mit 120 kWh/Jahr - egal welches Label er hat.
- QR-Code: Scannen Sie ihn mit Ihrem Handy. Sie landen auf einer offiziellen EU-Datenbank mit allen technischen Details, Tests, Lautstärke und sogar der Lebensdauer des Geräts.
- Piktogramme: Für Kühlschränke zeigt es das Fassungsvermögen in Litern, für Spülmaschinen die Anzahl der gedeckten Teller, für Waschmaschinen die Waschleistung in kg. Keine versteckten Zahlen mehr.
- Lautstärke: In Dezibel (dB). Ein leiser Kühlschrank läuft mit 36 dB, ein lauter mit 44 dB - das ist hörbar.
Die Farben bleiben: Dunkelgrün für A, dann Gelb, Orange, Rot für G. Aber jetzt ist A wirklich das Beste. Und es ist selten. In Österreich und Deutschland liegen die meisten neuen Geräte heute bei B oder C. Ein Gerät mit Klasse A ist noch eine Ausnahme - und meistens teurer.
Welche Geräte haben schon das neue Label?
Nicht alle Küchengeräte haben das neue System gleichzeitig bekommen. Hier ist der aktuelle Stand, Stand März 2026:
| Gerätetyp | Einführung neues Label | Aktuelle Klassen (2026) | Verbotene Klassen |
|---|---|---|---|
| Kühlschränke & Gefrierschränke | März 2021 | A-E | F, G |
| Geschirrspüler | März 2021 | A-E | F, G |
| Waschmaschinen & Waschtrockner | März 2021 | A-E | F, G |
| Wäschetrockner | Juli 2025 | A-E | F, G |
| Backöfen (elektrisch) | Januar 2015 | A+++ bis D | Keine Verbotsklassen |
| Dunstabzugshauben | Januar 2015 | A+++ bis D | Keine Verbotsklassen |
| Weinlagergeräte | März 2021 | A-E | F, G |
Das bedeutet: Wenn Sie einen neuen Backofen kaufen, sehen Sie noch das alte System mit A+++. Das ist kein Fehler - das Label wird für diese Geräte noch nicht aktualisiert. Aber bei Kühlschrank, Spülmaschine oder Waschmaschine muss es das neue A-G-System sein. Und bei diesen Geräten ist die Klasse F und G verboten - sie gibt es nicht mehr im Handel.
Was ist mit Reparierbarkeit?
Ein Gerät, das lange hält, verbraucht weniger Energie - denn Herstellung und Entsorgung kosten Energie. Deshalb hat die EU seit 2021 auch die Ökodesign-Richtlinie verschärft. Hersteller müssen jetzt:
- Ersatzteile wie Motoren, Türdichtungen, Heizspiralen oder Sensoren für mindestens 7 Jahre nach Kauf anbieten.
- Reparaturanleitungen öffentlich verfügbar machen - oft als PDF auf ihrer Website.
- Geräte so bauen, dass man sie mit handelsüblichem Werkzeug (Schraubenzieher, Zangen) öffnen kann - kein Spezialwerkzeug mehr nötig.
Das ist ein großer Unterschied zu früher. Früher wurden Geräte oft so gebaut, dass man sie nur mit speziellen Werkzeugen öffnen konnte - und dann war die Reparatur teurer als ein Neukauf. Heute ist das verboten. Wenn Ihr Kühlschrank 2027 kaputt geht, muss der Hersteller noch Ersatzteile liefern - und die Anleitung dafür im Internet bereitstellen. Das macht Reparieren attraktiver und spart Ressourcen.
Wie wählt man das richtige Gerät?
Ein paar einfache Regeln helfen, das beste Gerät für Ihre Küche zu finden:
- Prüfen Sie den Jahresverbrauch in kWh. Nicht nur die Klasse. Ein Gerät mit Klasse B, aber 220 kWh/Jahr ist schlechter als ein C mit 170 kWh/Jahr. Der Zahlenwert zählt mehr als die Farbe.
- Scannen Sie den QR-Code. Er führt Sie zur offiziellen EU-Datenbank. Dort sehen Sie Testergebnisse, Lautstärke, Fassungsvermögen und sogar die Garantiebedingungen.
- Vermeiden Sie überdimensionierte Geräte. Ein 800-Liter-Kühlschrank für eine Person verbraucht mehr als ein 500-Liter-Modell - selbst wenn er A+ hat. Nutzen Sie nur, was Sie brauchen.
- Warten Sie nicht auf A. A ist selten, teuer und oft überdimensioniert. B und C sind heute die Normalität - und sparen schon 30-50 % gegenüber alten Modellen.
- Prüfen Sie die Reparierbarkeit. Suchen Sie auf der Herstellerwebsite nach "Reparaturanleitung" oder "Ersatzteile". Wenn es da nichts gibt, ist das Gerät wahrscheinlich nicht langlebig.
Was ist mit alten Geräten?
Wenn Sie ein altes Gerät mit A+++ haben - behalten Sie es. Es ist nicht automatisch schlechter als ein neues mit D. Die neuen Labels sind strenger, nicht realistischer. Ein 2012er Kühlschrank mit A+++ verbraucht heute vielleicht 250 kWh/Jahr. Ein neuer mit D vielleicht 200 kWh/Jahr. Das ist nur 20 % weniger - aber der neue kostet 800 Euro. Die Amortisationszeit liegt bei 15-20 Jahren. In der Praxis lohnt sich der Austausch oft nicht - es sei denn, das alte Gerät ist defekt oder verbraucht mehr als 300 kWh/Jahr.
Wenn Sie ein altes Gerät ersetzen, wählen Sie ein Gerät mit mindestens Klasse B. Damit sparen Sie 30-40 % gegenüber einem alten A+++ und haben einen modernen, reparierbaren und leisen Anschluss.
Was kommt als Nächstes?
Die EU plant, bis 2030 alle Küchengeräte auf das neue A-G-Label umzustellen. Das bedeutet: Auch Backöfen, Dunstabzugshauben und Kochfelder werden dann nur noch mit A bis G gekennzeichnet - und auch hier wird Klasse G verboten. Die nächste Stufe: Ab 2027 soll das Label noch dynamischer werden. Ein QR-Code könnte dann den tatsächlichen Verbrauch aus dem Smart-Home-System anzeigen - also nicht nur geschätzt, sondern gemessen. Das ist kein Science-Fiction - es ist bereits in Pilotprojekten in Österreich und Deutschland getestet.
Was das für Sie bedeutet: Der Energieverbrauch wird in Zukunft noch transparenter. Wer heute ein Gerät mit gutem Label und niedrigem kWh-Wert kauft, macht nicht nur eine gute Investition - er macht sich auch fit für die nächste Generation intelligenter Haushalte.
Ist ein Gerät mit Klasse A immer die beste Wahl?
Nein. Klasse A ist selten, oft teuer und nicht immer besser als B oder C. Der Jahresverbrauch in kWh ist entscheidend. Ein Gerät mit Klasse B und 160 kWh/Jahr ist effizienter als ein A mit 190 kWh/Jahr. A ist kein Ziel - niedriger Verbrauch ist das Ziel.
Kann ich ein altes Gerät mit A+++ gegen ein neues mit D austauschen?
Nur, wenn das alte Gerät defekt ist oder mehr als 300 kWh/Jahr verbraucht. Ein A+++ aus 2010 verbraucht oft weniger als ein D aus 2025 - weil die neuen Labels strenger sind. Der Energiegewinn ist klein, die Kosten hoch. Tauschen Sie nur bei Defekt oder hohem Verbrauch.
Warum gibt es bei Backöfen noch A+++?
Weil die EU die Umstellung für Backöfen noch nicht abgeschlossen hat. Bis 2030 soll auch hier das neue A-G-Label gelten. Bis dahin bleibt das alte System. Das bedeutet nicht, dass Backöfen ineffizient sind - sie verbrauchen einfach weniger als Kühlschränke oder Spülmaschinen.
Sind Geräte mit QR-Code sicher?
Ja. Der QR-Code führt nur zur offiziellen EU-Datenbank (ec.europa.eu/energy/labels), nicht zu Werbe- oder Verkaufsseiten. Dort finden Sie unabhängige Testdaten, Verbrauchswerte und technische Details - alles vom Hersteller überprüft und vom EU-Amt validiert.
Wie finde ich heraus, ob ein Gerät reparierbar ist?
Suchen Sie auf der Website des Herstellers nach "Reparaturanleitung", "Ersatzteile" oder "Ökodesign". Wenn es dort keine Anleitungen oder Ersatzteile gibt, ist das Gerät wahrscheinlich nicht für eine lange Lebensdauer gebaut. Ein guter Hinweis: Wenn der Hersteller Ersatzteile für 7 Jahre anbietet, ist er verpflichtet, sie auch zu liefern.
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