Wenn Sie oder ein Familienmitglied im Alter oder nach einer Erkrankung nicht mehr die Treppen steigen kann, ist ein barrierefreier Umbau keine Frage des Komforts - es ist eine Frage der Selbstständigkeit. Und doch scheitern viele an der Finanzierung. Im Jahr 2026 kehrt ein wichtiges Förderprogramm zurück: Der KfW-Zuschuss 455-B für barrierefreie Umbauten. Aber die Mittel sind knapp. Wer zu spät kommt, zahlt selbst. Hier steht, wie Sie 2026 den Zuschuss sicher bekommen - und was Sie jetzt tun müssen.
Was genau wird gefördert?
Der KfW-Zuschuss 455-B hilft bei konkreten, messbaren Umbauten, die den Alltag sicherer machen. Das sind nicht irgendwelche Modernisierungen - das sind lebenswichtige Veränderungen:- Barrierefreie Bäder mit ebenerdiger Dusche und festen Haltegriffen
- Breitere Türen (mindestens 90 cm) für Rollstühle oder Gehhilfen
- Schwellenlose Übergänge zwischen Zimmer und Flur
- Treppenlifte oder Plattformlifte für mehrere Etagen
- Hebe- und Senkvorrichtungen für Badewannen
- Adaptierte Küchenarbeitsflächen und Lichtschalter in Griffhöhe
Wichtig: Nur Maßnahmen, die von einem qualifizierten Handwerker geplant und ausgeführt werden, kommen in Frage. Das bedeutet: Kein Eigenbau, keine Selbstmontage. Die KfW verlangt einen Kostenvoranschlag von einem Fachbetrieb - und der muss nachweislich auf Barrierefreiheit spezialisiert sein.
Wer kann den Zuschuss bekommen?
Sie müssen kein Rentner sein. Das Programm richtet sich an:- Private Eigentümer - egal ob Einfamilienhaus oder Eigentumswohnung
- Mieter - aber nur mit schriftlicher Zustimmung des Vermieters
Es spielt keine Rolle, ob Sie 60 oder 85 Jahre alt sind. Auch Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit, die dauerhaft auf Barrierefreiheit angewiesen sind, können beantragen. Wichtig ist nur: Der Umbau muss in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus stattfinden. Gewerbeimmobilien oder Mietobjekte für Dritte fallen nicht darunter.
Wie viel Geld gibt es?
Für 2026 stehen insgesamt 50 Millionen Euro zur Verfügung. Das klingt viel - bis man weiß, wie viele Menschen das brauchen.Im vergangenen Jahrzehnt wurden die Mittel jedes Mal innerhalb von Wochen aufgebraucht. 2022 war der Topf nach sechs Wochen leer. 2024 wurde er auf 150 Millionen Euro aufgestockt - und trotzdem war er bis Sommer verbraucht.
Der Zuschuss beträgt in der Regel 10 bis 12,5 % der Gesamtkosten. Die Höchstförderung pro Wohneinheit liegt bei 6.250 Euro. Das heißt: Wenn Sie 50.000 Euro in einen barrierefreien Umbau investieren, bekommen Sie maximal 6.250 Euro zurück - nicht mehr. Aber das ist immer noch ein großer Teil, den Sie sonst selbst zahlen müssten.
Wichtig: Der Zuschuss ist nicht rückzahlbar. Es ist kein Kredit. Sie zahlen nicht zurück - Sie bekommen Geld geschenkt. Das macht es besonders attraktiv.
Warum ist die Förderung 2026 so knapp?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:- 2021: 75 Millionen Euro - ausgeschöpft bis Mitte des Jahres
- 2022: 75 Millionen Euro - schon nach sechs Wochen weg
- 2024: 150 Millionen Euro - trotzdem bis August verbraucht
- 2026: Nur 50 Millionen Euro - weniger als 2021
Das ist kein Zufall. Die deutsche Bevölkerung altert. 2025 lebten bereits 22,5 Millionen Menschen über 65 in Deutschland - fast jeder vierte. Bis 2035 werden es über 31 Millionen sein. Jeder dritte Haushalt mit älteren Menschen braucht bis 2030 einen barrierefreien Umbau. Das sind 12,7 Millionen Wohnungen. Die 50 Millionen Euro für 2026 reichen für weniger als 8.000 solcher Umbauten. Der Bedarf liegt bei mehr als 1,2 Millionen pro Jahr.
Experten wie Michael Hilpert vom ZVSHK nennen das eine „deutliche Unterfinanzierung“. Die Handwerkskammern fordern seit Jahren 150 Millionen Euro - und bekommen jedes Mal nur ein Viertel davon.
Was müssen Sie jetzt tun?
Der Zuschuss wird ab Frühjahr 2026 wieder antragsfähig sein - wahrscheinlich im März oder April. Aber das ist kein Grund, zu warten. Wer jetzt nichts tut, verpasst die Chance.So bereiten Sie sich vor:
- Prüfen Sie Ihren Bedarf - Lassen Sie sich von einem zertifizierten Barrieregutachter beraten. Die Wartezeit für einen Termin beträgt aktuell bis zu acht Wochen - und wird 2026 noch länger.
- Holen Sie Kostenvoranschläge ein - Kontaktieren Sie mindestens drei Handwerker, die sich auf barrierefreie Sanierungen spezialisiert haben. Die KfW verlangt mindestens zwei Angebote.
- Stellen Sie die Zustimmung des Vermieters sicher - Wenn Sie Mieter sind, brauchen Sie eine schriftliche Genehmigung. Lassen Sie sich diese rechtzeitig geben.
- Organisieren Sie die Unterlagen - Personalausweis, Grundbuchauszug, Kostenvoranschläge, Baupläne, Zustimmungserklärung (bei Mietern).
- Beobachten Sie die KfW-Website - Sobald die Antragsstellung wieder freigeschaltet ist, wird es dort eine Meldung geben. Setzen Sie sich ein Erinnerungstool - der Start wird nicht lange bekanntgegeben.
Das Wichtigste: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Mittel werden nicht nach Reihenfolge der Bedürftigkeit, sondern nach Reihenfolge des Eingangs vergeben. Wer im ersten Monat antragsbereit ist, bekommt das Geld. Wer im Juni nachfragt, bekommt eine Absage.
Was passiert, wenn das Geld aufgebraucht ist?
Dann bleibt nur: warten - oder selbst zahlen. Es gibt keine Warteliste. Keine Nachrücker. Keine Ausnahmen. Die KfW schließt die Antragsseite einfach, sobald die 50 Millionen Euro vergeben sind.Das ist kein theoretisches Risiko. Es ist Realität. In 2022 haben Tausende Menschen ihre Unterlagen fertig, aber den Zuschuss nicht bekommen - weil sie nur ein paar Wochen zu spät waren. Ein Nutzer auf Reddit schrieb damals: „Ich hatte alles, nur einen Tag zu spät. Jetzt muss ich mein Bad selbst umbauen - mit Schwellen. Das ist kein Leben.“
Wenn Sie kein Geld haben, um den Umbau selbst zu finanzieren, gibt es keine anderen staatlichen Zuschüsse, die so umfassend sind wie der KfW-455-B. Andere Programme wie die Pflegeversicherung zahlen nur für Hilfsmittel - nicht für Bäder oder Türen.
Was Sie unbedingt vermeiden müssen
Viele versuchen, das System zu umgehen. Das endet meistens teuer.- Nicht mit dem Handwerker vereinbaren, dass er „die Unterlagen für Sie regelt“ - Die KfW prüft jede Rechnung. Wenn der Betrieb nicht korrekt angemeldet ist, wird der Zuschuss gestrichen.
- Nicht mit der Baufirma anfangen, bevor der Zuschuss bewilligt ist - Sie dürfen zwar mit der Planung beginnen, aber nicht mit dem Bau. Wer vorher zahlt, riskiert, dass die KfW den Antrag ablehnt - und Sie das Geld verlieren.
- Nicht auf „wahrscheinlich“ hoffen - Der Zuschuss wird nicht „wahrscheinlich“ gewährt. Er wird nur gewährt, wenn der Antrag vor dem Geldauslauf eingereicht wird.
Die einzige sichere Strategie: Alles vorbereiten. Den Antrag sofort stellen, sobald die Tür aufgeht.
Was kommt danach?
Die Politik weiß, dass 50 Millionen Euro nicht reichen. Aber bislang hat niemand eine Lösung gefunden. Das BMWSB spricht von einer „schrittweisen Anpassung“ für 2027 und 2028 - aber bislang gibt es keine konkreten Zahlen. Die nächste Haushaltsrunde ist erst im Herbst 2026. Bis dahin bleibt die Lage unklar.Das bedeutet: 2026 ist Ihre letzte Chance für eine lange Zeit. Wenn Sie den Zuschuss verpassen, müssen Sie entweder selbst zahlen - oder jahrelang auf eine bessere Förderung warten. Und wer weiß, ob es dann überhaupt noch einen Zuschuss gibt - oder nur noch Kredite mit Zinsen.
Barrierefreie Bäder sind kein Luxus. Sie sind eine Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Und in Deutschland wird das immer wichtiger. Wenn Sie jetzt handeln, sichern Sie nicht nur Ihr Zuhause - Sie sichern Ihre Zukunft.
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