Regenwasser vom Dach - mehr als nur ein Umweltgedanke
Wenn es regnet, läuft das Wasser über Ihr Dach, durch die Dachrinnen und verschwindet im Kanal. Doch was, wenn dieses Wasser nicht verschwendet wird? Regenwassernutzung vom Dach ist kein Nischenexperiment mehr - sie ist eine praktische, kostensparende und umweltfreundliche Lösung, die heute in Österreich und Deutschland immer häufiger installiert wird. Besonders bei Sanierungen von Dächern ist sie eine logische Ergänzung: statt nur das Dach zu erneuern, nutzen Sie die Gelegenheit, das Wasser, das darauf landet, sinnvoll einzufangen.
Ein durchschnittlicher Haushalt in Österreich verbraucht jährlich rund 120.000 Liter Trinkwasser. Etwa die Hälfte davon - also 50.000 bis 60.000 Liter - wird für WC-Spülung, Waschmaschine oder Gartenbewässerung gebraucht. Genau diese Anwendungen lassen sich mit Regenwasser decken. Kein Trinkwasser, keine hohen Rechnungen, keine Belastung der Wasserwerke. Und das alles, ohne dass Sie Ihre Lebensweise ändern müssen.
Wie funktioniert ein Regenwassersystem vom Dach?
Ein solches System ist nicht kompliziert - aber es muss richtig geplant sein. Es besteht aus vier Hauptteilen: der Dachfläche, den Fallrohren, einem Filter und einer Zisterne.
Das Regenwasser fließt vom Dach in die Dachrinnen, dann in die Fallrohre. Von dort wird es in einen Filter geleitet, der grobe Verunreinigungen wie Blätter, Staub und Insekten zurückhält. Danach fließt das Wasser in die Zisterne - meist unterirdisch, damit es kühl bleibt und Algen nicht wachsen. Von dort wird es über eine Pumpe entnommen und entweder direkt in die Waschmaschine, die Spülkasten oder die Gießkanne geleitet.
Wichtig: Regenwasser ist kein Trinkwasser. Es darf nicht mit Trinkwasserleitungen verbunden werden. Die Anlage muss klar getrennt sein - sonst ist es gesetzlich verboten. Die DIN 1989-100, die letzte Aktualisierung kam am 1. August 2020, regelt genau, wie solche Systeme gebaut werden müssen.
Die Zisterne: wo, wie viel, aus was?
Die Zisterne ist das Herzstück des Systems. Sie speichert das Wasser, bis es gebraucht wird. Die Größe ist entscheidend. Zu klein, und Sie haben zu oft keinen Vorrat. Zu groß, und es wird unnötig teuer. Die meisten Privathaushalte nutzen Zisternen mit 1.000 bis 5.000 Litern Kapazität. Bei größeren Dächern oder mehreren Nutzern kann es auch bis zu 10.000 Liter sein.
Materialien: Kunststoff (PE, PP) ist leicht, günstig und korrosionsfrei. Beton ist teurer, aber langlebig und stabil - besonders bei größeren Anlagen. In der Praxis dominiert Kunststoff, weil er leicht zu verlegen ist und sich gut in bestehende Gärten integrieren lässt. Die Zisterne muss dunkel sein. Licht fördert Algenwachstum, und das verstopft Pumpen und Filter. Alle Hersteller liefern daher schwarze oder graue Behälter - kein transparenter Kunststoff!
Die Installation erfolgt meist unterirdisch. Das hat zwei Vorteile: Sie sparen Platz im Garten, und das Wasser bleibt kühl, was die Qualität erhält. Die Tiefe beträgt mindestens 1 Meter - damit die Zisterne nicht bei Frost beschädigt wird. Eine Abdichtung ist Pflicht. Kein Wasser darf nach außen sickern - das könnte die Fundamente Ihres Hauses angreifen.
Filter: der entscheidende Unterschied zwischen Brauch- und Schadwasser
Ohne Filter ist Regenwassernutzung sinnlos. Ein Filter hält Partikel zurück, die Pumpen, Armaturen und Waschmaschinen beschädigen könnten. Aber nicht alle Filter sind gleich. Die DIN 1989-100 unterscheidet drei Typen: A, B und C.
Typ A (Filterfeinheit 0,35-0,4 mm) - Das ist der Standard für Haushaltsnutzung. Wenn Sie Regenwasser für die Waschmaschine oder die WC-Spülung nutzen wollen, brauchen Sie diesen Typ. Er hält Partikel unter 0,4 Millimeter zurück - genau die Größe, die Pumpen und Ventile schützt. Die Filterkörbe FK 900 von Mall oder der 3P Sinusfilter gehören hierher. Sie sind leistungsfähig, aber sie brauchen einen Höhenversatz von mindestens 340 mm. Das heißt: Ihre Zisterne muss tief genug liegen, oder Sie müssen die Fallrohre umgestalten. Bei Nachrüstungen ist das oft ein Problem.
Typ B (0,8 mm Feinheit) - Ideal für Gartenbewässerung und Waschmaschine, wenn Sie keine hohe Ansprüche an die Wasserqualität haben. Der Patronenfilter PF 500 von Mall ist ein Beispiel. Er ist einfacher zu installieren, hat keinen Höhenversatz nötig und ist günstiger. Aber: er lässt kleinere Partikel durch. Bei längerer Nutzung kann das die Pumpen belasten. Die meisten Experten empfehlen ihn nur für Gartennutzung oder bei geringer Auslastung.
Typ C (1 mm und mehr) - Nur für Garten und Waschplatz. Der Mall Trapezfilter TF (TF 375) ist hier der Klassiker. Er ist einfach, robust und besonders beliebt bei Nachrüstungen, weil er direkt in bestehende Fallrohre passt - ohne Umgestaltung. Aber: er ist nicht für WC-Spülung oder Waschmaschine geeignet. Die Partikel sind zu groß. Hier greift die Regel: Je feiner der Filter, desto mehr kann er schützen - aber desto mehr Wartung braucht er.
Ein neuer Trend: Selbstreinigende Filter. Der 3P Sinusfilter und der neue GRAF Filter 4.0 mit KI-Steuerung reinigen sich automatisch. Das reduziert Wartungsaufwand um bis zu 70%. Sie kosten mehr - aber wenn Sie das Wasser für die Waschmaschine nutzen, lohnt sich das.
Die Zahlen im Detail: Was passt zu Ihrem Dach?
Die Dachfläche bestimmt, welcher Filter und welche Zisterne Sie brauchen. Aber Achtung: nicht jede Quadratmeterfläche ist gleich. Bei einem Neigungswinkel von 30° - das ist der Standard bei Dächern in Österreich - reduziert sich die effektive Fläche um 13,4%. Das heißt: ein 200 m² Dach liefert nur 173 m² effektive Regenwasserfläche.
Die Formel ist einfach: Effektive Fläche = Dachfläche × (1 - 0,134). Rechnen Sie das aus, bevor Sie bestellen.
Hier eine Übersicht, was zu welcher Dachfläche passt:
| Filtertyp | Max. Dachfläche | Filterfeinheit | Höhenversatz | Inspektion | Geeignet für | Typ nach DIN 1989-100 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Mall Trapezfilter TF | 375 m² | 1,0 mm | 0 mm | alle 3 Monate | Garten | C |
| Mall Patronenfilter PF 500 | 500 m² | 0,8 mm | 0 mm | alle 3 Monate | Garten, Waschmaschine | B |
| Filterkorb FK 900 | 900 m² | 0,4 mm | 340 mm | alle 6 Monate | WC, Waschmaschine | A |
| 3P Sinusfilter | 150 m² | 0,4 mm | 0 mm | selbstreinigend | WC, Waschmaschine | A |
| 3P Retentionsfilter KF | 150 m² | 0,4 mm | 0 mm | alle 6 Monate | Retentionsanlagen | A |
Wenn Sie ein Dach von 220 m² haben und Wasser für WC und Waschmaschine nutzen wollen, ist der Filterkorb FK 900 die beste Wahl - aber nur, wenn Sie 340 mm Höhenversatz schaffen können. Wenn nicht, dann der 3P Sinusfilter - er ist teurer, aber er passt in fast jede bestehende Anlage.
Wartung: wie oft, wie viel Aufwand?
Ein Regenwassersystem ist nicht wartungsfrei - aber es ist auch nicht aufwendig. Die meisten Probleme entstehen durch falsche Planung, nicht durch schlechte Wartung.
Typische Wartungsintervalle:
- Trapezfilter (TF): alle 3 Monate, 45 Minuten Reinigung. Einfach den Deckel öffnen, den Schmutz abziehen, mit Wasser abspülen.
- Patronenfilter (PF): alle 3 Monate, 30 Minuten. Filterpatrone wechseln - kostet etwa 30 € pro Jahr.
- Filterkorb (FK): alle 6 Monate, 60 Minuten. Der Korb wird herausgenommen, gespült, Rückstände abgesaugt.
- Sinusfilter: keine manuelle Wartung. Der Filter reinigt sich selbst - nur einmal jährlich prüfen, ob die Sensoren funktionieren.
Die größte Fehlerquelle? Überlastung. 63% der Beschwerden auf regenwasseranlage.de kommen von Nutzern, die die Dachfläche falsch berechnet haben. Wenn Sie ein 100 m² Dach haben und einen Filter für 300 m² installieren, läuft das Wasser zu schnell durch - und der Filter kann nicht filtern. Der Schmutz wandert direkt in die Zisterne. Ergebnis: verstopfte Pumpe, teure Reparatur.
Ein Tipp: Installieren Sie einen Überlauf. Wenn die Zisterne voll ist, soll das Wasser einfach abfließen - nicht in den Keller. Und lassen Sie die Zisterne mindestens einmal im Jahr komplett leeren - das entfernt Schlamm, der sich am Boden ansammelt.
Was kostet das - und lohnt sich das?
Die Kosten variieren stark. Ein einfaches System für Gartenbewässerung mit 2.000-Liter-Zisterne und Trapezfilter kostet etwa 1.800 €. Ein vollwertiges System mit 5.000-Liter-Zisterne, Filterkorb FK 900 und Druckerhöhungspumpe liegt bei 5.500 bis 7.000 €.
Die Amortisationszeit? Bei einer Dachfläche von 200 m² und Nutzung für WC und Waschmaschine liegt sie bei 7,3 Jahren - laut Umweltbundesamt 2024. Aber das ist nur die Hälfte der Wahrheit. Denn: die Trinkwasserkosten steigen. In Österreich sind sie seit 2020 um 12% gestiegen, bis 2027 wird ein Anstieg von 14,7% prognostiziert. Das heißt: Ihre Einsparung wird jedes Jahr größer.
Und es gibt Förderungen. In vielen Gemeinden in Österreich - auch in Graz - gibt es Zuschüsse von bis zu 1.000 € für Regenwassernutzung. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach. In manchen Städten wird sogar die Kanalgebühr reduziert, wenn Sie Regenwasser nutzen.
Was kommt als Nächstes? Die Zukunft ist digital
Die Technik entwickelt sich rasant. Der neue Mall PF Smart hat Sensoren, die Ihnen per App zeigen, wie voll die Zisterne ist und wann der Filter gereinigt werden muss. GRAF hat auf der IFAT 2024 einen Filter mit KI vorgestellt, der aus Wetterdaten lernt und die Reinigung automatisch plant.
Die nächste DIN 1989-100-Aktualisierung (voraussichtlich Q3 2025) wird die Filterfeinheit für Haushaltsnutzung von 0,4 mm auf 0,35 mm verschärfen. Das bedeutet: künftig brauchen Sie noch präziserere Filter. Wer jetzt auf 0,4 mm setzt, ist schon auf der sicheren Seite.
Die Zukunft gehört nicht mehr nur dem großen Filter - sondern dem intelligenten System. Selbstreinigung, Fernüberwachung, Integration mit Smart-Home-Systemen - das wird Standard. Und wer jetzt ein System mit Zukunftsfähigkeit installiert, spart nicht nur Wasser - sondern auch Geld und Zeit in den nächsten 15 Jahren.
Was tun, wenn es nicht funktioniert?
Einige häufige Probleme und ihre Lösungen:
- Wasser riecht faulig? - Die Zisterne ist nicht dunkel genug. Algen wachsen. Reinigen Sie sie, und prüfen Sie die Abdunkelung.
- Pumpe läuft nicht? - Der Filter ist verstopft. Reinigen Sie ihn sofort. Wenn es häufig passiert, ist der Filter zu fein für Ihre Dachfläche.
- Wasser fließt nicht in die Zisterne? - Das Fallrohr hat kein Gefälle. Mindestens 1% Neigung ist Pflicht. Messen Sie mit einer Wasserwaage.
- Regenwasser ist trüb? - Der erste Wasserfluss nach dem Regen ist immer verschmutzt. Installieren Sie einen Vorfilter oder einen Abfluss, der den ersten Wasserstoß ableitet.
Wenn Sie unsicher sind: lassen Sie sich von einem Fachmann beraten. Die meisten Hersteller wie Mall, GRAF oder 3P bieten kostenlose Beratung an. In Graz gibt es mehrere installierende Firmen, die auch nach der DIN 1989-100 prüfen - und das meist kostenlos.
Was Sie jetzt tun können
1. Messen Sie Ihre Dachfläche - und berechnen Sie die effektive Fläche (× 0,866).
2. Bestimmen Sie, wofür Sie das Wasser nutzen wollen: nur Garten? Oder auch WC und Waschmaschine?
3. Prüfen Sie, ob Sie 340 mm Höhenversatz schaffen können - oder ob Sie auf einen selbstreinigenden Filter setzen.
4. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach Fördermöglichkeiten.
5. Wählen Sie den Filter, der zu Ihrer Situation passt - nicht den billigsten, sondern den passenden.
Regenwassernutzung ist keine Zukunftsvision. Sie ist eine kluge, einfache und lohnende Investition - besonders, wenn Sie gerade Ihr Dach sanieren. Nutzen Sie das Wasser, das ohnehin fällt. Es ist frei. Und es wird immer wertvoller.