Historische Keller sind kein Problem, das man mit einer einfachen Dichtungsbahn lösen kann. Wer glaubt, dass ein paar Bitumenbahnen von außen oder eine neue Farbe von innen das Problem der Feuchtigkeit beheben, irrt sich. In Altbauten entsteht Feuchtigkeit nicht durch einen einzigen Fehler, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel von Bauweise, Materialien und jahrzehntelanger Nutzung. Die Lösung liegt nicht im Standardansatz, sondern in der Feuchteschutz-Strategie, die genau auf den Keller zugeschnitten ist.
Warum alte Keller feucht werden - und warum das normal ist
Viele Menschen denken, dass ein feuchter Keller ein Zeichen für schlechte Bauqualität ist. Doch das stimmt nicht. Historische Keller aus der Zeit vor 1950 wurden bewusst so gebaut, dass sie feucht bleiben konnten. Damals war es üblich, Gemüse, Kartoffeln oder Wein in kühlen, feuchten Räumen zu lagern. Die Wände aus Bruchstein, Ziegel oder Kalkmörtel nahmen Feuchtigkeit auf und gaben sie wieder ab - ein natürlicher Ausgleich, der heute als Problem gilt, weil wir die Räume als Wohn- oder Lagerräume nutzen wollen. Die Hauptursache für die Feuchtigkeit ist die kapillare Aufstiegsfeuchtigkeit. Wasser aus dem Erdreich steigt über die winzigen Poren im Mauerwerk nach oben, wie eine Kerze, die Flüssigkeit nach oben zieht. In modernen Gebäuden gibt es dafür eine Horizontalsperre - eine dichte Schicht aus Kunststoff oder Bitumen, die das Wasser stoppt. In alten Kellern ist diese Schicht oft nicht vorhanden, kaputt oder nur unvollständig eingebaut. Die Folge: Feuchtigkeit wandert bis zur Decke, macht den Putz weich, treibt Salze an die Oberfläche und sorgt für Schimmel an den Wänden.Was passiert, wenn man einfach von außen abdichtet?
Die klassische Lösung: Den Keller ausgraben, die Außenwände abdichten und neue Drainagen einbauen. Klingt logisch - ist es aber oft nicht. Bei vielen Altbauten ist das gar nicht möglich. Der Keller liegt zu tief, die Nachbarhäuser stehen zu nah, oder es gibt keine Zufahrt für die Baumaschinen. Selbst wenn man es schafft, funktioniert die Außenabdichtung nicht immer. Warum? Weil Feuchtigkeit nicht nur von außen kommt. In vielen historischen Gebäuden gibt es Streifenfundamente - lange, schmale Fundamente aus Stein oder Ziegel, die nicht vollständig mit Beton umgeben sind. Wasser kann hier seitlich eindringen, über den Übergang zwischen Fundament und Wand hochsteigen oder durch Risse im Mauerwerk nach oben wandern. Eine Außenabdichtung greift nur an einer Stelle an. Wenn das Wasser von oben, von unten oder von der Seite kommt, bleibt es ein Problem. Ein weiterer Fehler: Die Außenabdichtung wird oft mit dichten Kunststoffbahnen oder Bitumen gemacht. Diese verhindern zwar, dass Wasser von außen eindringt - aber sie lassen auch keine Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk nach außen entweichen. Das Ergebnis? Die Feuchtigkeit bleibt im Mauerwerk gefangen, trocknet nicht mehr ab und schädigt das Material von innen. Das Mauerwerk wird feucht, aber nicht trocken - ein klassischer Fall von falscher Sanierung.Innenabdichtung: Die realistische Lösung für den Altbau
Die bessere Option? Die Innenabdichtung. Sie greift dort an, wo das Problem sichtbar wird - an der Innenseite der Wand. Sie vermeidet massive Eingriffe, ist oft günstiger und funktioniert besser, wenn die Außenwand nicht zugänglich ist. Aber auch hier gibt es keine Einheitslösung. Es gibt drei bewährte Methoden, die je nach Situation sinnvoll sind. Die erste Methode ist das Injektionsverfahren. Dabei werden Bohrlöcher in das Mauerwerk gebohrt - meist in zwei versetzten Reihen im Abstand von 10 bis 12 Zentimetern. In diese Löcher wird ein spezielles Harz oder Zement eingespritzt. Das Material füllt die Poren und bildet eine dichte Schicht, die das Aufsteigen von Wasser stoppt. Funktioniert gut bei homogenem Mauerwerk, wie massivem Ziegel. Aber bei Bruchstein, Mischmauerwerk oder altem Kalkmörtel? Da ist die Wirkung ungleichmäßig. Manche Bereiche nehmen das Harz auf, andere nicht. Das Ergebnis: Einige Stellen bleiben feucht. Die zweite Methode ist die Edelstahlsperrschicht. Hier wird das Mauerwerk mit einer Mauersäge aufgeschnitten - meist zwischen der ersten und zweiten Steinreihe. In die entstandene Fuge wird ein Edelstahlblech oder eine robuste Folie eingeschoben. Diese Schicht blockiert den kapillaren Wassertransport. Es ist eine technisch anspruchsvolle Arbeit, aber sehr dauerhaft. Funktioniert besonders gut bei stark durchfeuchteten Wänden und bei Gebäuden mit hohem Salzgehalt. Die dritte und heute am häufigsten verwendete Methode ist die mineralische, kristallaktive Abdichtung. Systeme wie Izonil nutzen die vorhandene Feuchtigkeit selbst, um sich zu aktivieren. Die Wirkstoffe wandern mit dem Wasser in die Poren des Mauerwerks. Dort bilden sie unlösliche Kristalle, die die Poren verstopfen - aber nur teilweise. Im Gegensatz zu Folien oder Bitumen bleibt das Mauerwerk diffusionsoffen. Feuchtigkeit kann noch nach außen abtrocknen, Salze werden nicht eingeschlossen. Eine Schicht von nur 10 Millimetern reicht aus. Keine Folien, kein Bitumen, keine Chemikalien. Ideal für Ziegel, Bruchstein und alte Mischwände.
Was noch hilft - und was man nicht vergessen darf
Neben diesen Hauptverfahren gibt es noch zwei wichtige Ergänzungen, die oft übersehen werden. Erstens: Sanierputz. Wenn die Wand nach der Abdichtung noch feucht ist, braucht sie einen Putz, der Feuchtigkeit aufnimmt und langsam abgibt. Ein herkömmlicher Zementputz hält Feuchtigkeit zurück - und sorgt für Schimmel. Ein Sanierputz dagegen ist porös, salzresistent und hat eine hohe Kapillarität. Er wirkt wie ein Feuchtigkeitspuffer. Er nimmt die Restfeuchtigkeit auf, lässt sie nach außen verdunsten und verhindert so Schimmelbildung. Zweitens: Querlüftung. Eine einfache, aber wirkungsvolle Methode. Durch zwei Kernbohrungen an gegenüberliegenden Seiten des Kellers wird ein natürlicher Luftstrom erzeugt. Die kalte Außenluft strömt ein, erwärmt sich, nimmt Feuchtigkeit auf und zieht wieder nach draußen. Diese Methode funktioniert besonders gut, wenn der Keller nicht als Wohnraum genutzt wird. Sie reduziert die Luftfeuchtigkeit um bis zu 30 Prozent. Aber: Sie ersetzt keine Abdichtung. Sie ergänzt sie.Die drei Schritte zu einer dauerhaften Lösung
Erfolgreiche Innenabdichtung funktioniert nicht mit einem Produkt, sondern mit einem Prozess. Drei Schritte sind entscheidend:- Bestandsaufnahme: Wie hoch ist die Feuchtigkeit? Wo ist sie am stärksten? Ist das Mauerwerk salzbelastet? Welche Materialien wurden verwendet? Ohne diese Analyse wählt man die falsche Methode.
- Vorbereitung: Alte Farben, Putz und bituminöse Schichten müssen komplett entfernt werden. Die Wand muss sauber, fest und trocken sein - nicht nur scheinbar. Anschlussstellen wie Boden-Wand-Übergänge, Rohrdurchführungen und Fensteröffnungen müssen sorgfältig abgedichtet werden. Hier entsteht oft der größte Fehler.
- Aufbau: Eine einlagige Abdichtung reicht nicht. Es braucht mindestens zwei Schichten: die Hauptabdichtung und den Sanierputz. Und die müssen richtig aufeinander abgestimmt sein.
Was funktioniert nicht - und warum
Es gibt einige Methoden, die immer wieder angeboten werden - aber keine langfristige Lösung bieten. Abdichtung mit Folien oder Kunststoffen von innen: Diese verhindern, dass Feuchtigkeit nach innen dringt - aber sie sperren sie auch ein. Die Feuchtigkeit bleibt im Mauerwerk, schädigt den Stein und führt zu Schimmel unter der Folie. Ein klassischer Fall von falscher Beratung. Wärmedämmung ohne Abdichtung: Wer einen Keller dämmt, ohne die Feuchtigkeit zu stoppen, schafft eine ideale Umgebung für Schimmel. Die warme Luft kondensiert an der kalten Wand - und bleibt dort. Dämmung ohne Feuchteschutz ist ein Fehler. Einmalige Beschichtung mit Silikatfarbe: Diese Farben sind diffusionsoffen, aber sie haben keine Abdichtwirkung. Sie können Feuchtigkeit nicht stoppen - nur abtrocknen lassen. Allein reichen sie nicht.Die wichtigste Erkenntnis: Es gibt keine Universallösung
Jeder historische Keller ist anders. Ein Keller aus Bruchstein in einem alten Bauernhaus in Hildesheim verhält sich ganz anders als ein Ziegelkeller in einer städtischen Villa aus den 1920er-Jahren. Die Lösung hängt ab von:- Dem Mauerwerk (Ziegel, Stein, Mischbau)
- Der Salzbelastung (nur durch Laboranalyse feststellbar)
- Der Durchfeuchtungshöhe (bis zur Decke? Nur bis zum Sockel?)
- Der Nutzung (Lager, Wohnraum, Werkstatt?)
- Und den äußeren Bedingungen (Gelände, Grundwasser, Nachbarbebauung)
Kann man Feuchtigkeit im historischen Keller einfach mit einer Farbe abdichten?
Nein. Herkömmliche Farben, auch Silikatfarben, haben keine Abdichtwirkung. Sie lassen Feuchtigkeit zwar durch, aber sie stoppen sie nicht. Wenn die Feuchtigkeit aus dem Erdreich kommt, bleibt sie im Mauerwerk. Eine Farbe allein reicht nicht - es braucht eine aktive Abdichtung, die den kapillaren Wassertransport unterbricht.
Ist eine Außenabdichtung immer die bessere Lösung?
Nicht immer. Außenabdichtungen sind teuer, aufwendig und oft gar nicht möglich - etwa bei engen Grundstücken oder historischen Fassaden. Außerdem stoppen sie nur einen Teil der Feuchtigkeitsquelle. In vielen Fällen bleibt Feuchtigkeit durch Streifenfundamente, fehlende Horizontalsperren oder fehlerhafte Anschlüsse bestehen. Innenabdichtungen sind oft effektiver und nachhaltiger.
Was ist der Unterschied zwischen Sanierputz und normaler Wandfarbe?
Sanierputz ist speziell für feuchte Wände entwickelt. Er ist porös, salzresistent und nimmt Feuchtigkeit auf, um sie langsam abzutrocknen. Normaler Putz oder Farbe hingegen versiegelt die Wand - und fängt die Feuchtigkeit ein. Das führt zu Schimmel, Putzabplatzungen und langfristigem Schaden. Sanierputz ist kein Dekor, sondern ein funktionales Bauteil.
Kann man eine Innenabdichtung selbst machen?
Nur teilweise. Die Vorbereitung - Entfernen von altem Putz, Reinigen der Wand - kann man selbst erledigen. Aber die eigentliche Abdichtung, besonders Injektionen oder Edelstahlsperrschichten, erfordert Fachwissen, spezielle Geräte und Erfahrung. Falsch ausgeführt, verschlimmert man das Problem. Deshalb: Beratung durch einen Sachverständigen, Ausführung durch einen Fachbetrieb.
Warum funktioniert das Injektionsverfahren nicht immer?
Weil das Mauerwerk nicht einheitlich ist. Bei Bruchstein, Kalkmörtel oder alten Mischwänden gibt es Hohlräume, schwache Stellen und unterschiedliche Porengrößen. Das Injektionsmaterial fließt nicht gleichmäßig - manche Bereiche werden versiegelt, andere nicht. Das Ergebnis: Einige Wände trocknen, andere bleiben feucht. In solchen Fällen ist die Edelstahlsperrschicht oder die mineralische Abdichtung zuverlässiger.