Was ist ein Baustrom- und Bauwasseranschluss?
Bevor der erste Stein auf die Baustelle kommt, muss eine wichtige Voraussetzung erfüllt sein: Baustrom und Bauwasser. Das sind temporäre Versorgungsleitungen, die Baustellen mit Strom und Trinkwasser versorgen, solange das Haus noch nicht fertig ist und die festen Anschlüsse noch nicht aktiviert wurden. Ohne diese Anschlüsse geht nichts: Kein Betonmischer, keine Bohrmaschine, keine Sanitärinstallation. Es ist kein Luxus, sondern eine gesetzliche Pflicht. In Deutschland müssen alle Neubauten und größeren Umbauten diese Anschlüsse beantragen - egal ob Einfamilienhaus, Doppelhaushälfte oder Gewerbeobjekt.
Wer ist zuständig - Stadtwerke, Wasserversorger oder der Bauherr?
Die Zuständigkeit ist klar geregelt, aber oft missverstanden. Der Bauherr ist verantwortlich für die Antragstellung. Das bedeutet: Du musst die Unterlagen zusammenstellen, die Formulare ausfüllen und rechtzeitig einreichen. Die Installation übernehmen jedoch Fachleute: Ein zugelassener Installateur setzt den Bauwasseranschluss, ein Elektriker montiert den Baustromverteiler. Die Anbieter sind die lokalen Stadtwerke (für Strom) und der Wasserversorger deiner Gemeinde (für Wasser). Du kannst nicht einfach bei einem anderen Anbieter bestellen - 92 % aller Bauherren in Deutschland nutzen ausschließlich ihre lokalen Netzbetreiber. Die Bundesnetzagentur bestätigt: Es gibt praktisch keine Alternative.
Was muss ich für den Baustrom-Antrag genau einreichen?
Ein vollständiger Baustrom-Antrag ist kein Schnellschuss. Die Stadtwerke verlangen mindestens diese Unterlagen:
- Vollständiger Name und Adresse des Bauherrn
- Genaue Adresse des Baugebiets und des Flurstücks
- Art des Bauobjekts (Wohnhaus, Gewerbe, etc.)
- Gesamtleistung in kW (für Einfamilienhäuser typisch 32 kW, Gewerbe bis 63 kW)
- Lageplan mit genauer Position des geplanten Stromverteilerkastens
Einige Stadtwerke wie die SWK Kl in Hildesheim bieten mittlerweile digitale Assistenten an, die dich Schritt für Schritt durch den Antrag führen. Das spart Zeit - aber nur, wenn du die Unterlagen schon vorher gesammelt hast. Viele Bauherren verzögern den Prozess, weil sie den Lageplan mit falschen Maßstäben einreichen oder die Leistung unterschätzen. Laut Celle-Uelzen Netz sind unvollständige Lagepläne der häufigste Fehler (42 % aller Probleme).
Was braucht man für den Bauwasseranschluss?
Bauwasser ist nicht einfach ein Schlauch vom Nachbarn. Es muss an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen werden, und das hat strenge Regeln. Der Wasserversorger verlangt:
- Grundbuchauszug (um das Eigentum am Grundstück nachzuweisen)
- Grundrissplan im Maßstab 1:1000 mit markiertem Wasserzählerstandort
- Zulassungsnachweis des Installationsbetriebs und des Installateurs
Und hier kommt ein wichtiger Punkt: Eine Absprache mit dem Nachbarn ist gesetzlich nicht erlaubt. Pocasio betont klar: „Eine eigenmächtige Absprache mit dem Nachbarn ist gesetzlich nicht zulässig.“ Selbst wenn er dir erlaubt, sein Wasser zu nutzen - das ist illegal und kann zu Bußgeldern führen. Der Anschluss muss immer über den offiziellen Versorger laufen.
Kosten: Was kostet Baustrom und Bauwasser wirklich?
Die Kosten sind oft überraschend hoch - und nicht immer transparent. Für Baustrom fallen monatliche Mietgebühren für den Verteilerkasten an. Diese liegen zwischen 50 und 150 Euro pro Monat, je nach Leistung und Region. Dazu kommen die tatsächlichen Stromkosten, die du nach Verbrauch bezahlst. Bei einer durchschnittlichen Nutzung von 12 Monaten liegt der Gesamtkostenrahmen bei 600 bis 1.800 Euro.
Für Bauwasser ist die Abrechnung komplexer. Es gibt zwei Modelle: pauschal oder nach Verbrauch. Pauschale Abrechnungen sind bei kleineren Projekten bis zu 30 % teurer. Der minimale Baukostenzuschuss (BKZ) für Wasser beträgt laut e-netz Südhessen 1.225 Euro netto - das ist der Mindestpreis, der für die Verlegung der Leitung fällig wird. In der Praxis kostet es oft mehr, besonders wenn das Grundstück schwer zugänglich ist oder die Leitung über mehrere Meter verlegt werden muss.
Im Vergleich: Ein Diesel-Generator für 12 Monate kostet zwischen 3.500 und 5.000 Euro - inklusive Tanken, Wartung und Lärm. Baustrom ist nicht nur legal, sondern auch deutlich günstiger.
Wie lange dauert die Bearbeitung?
Das ist der größte Fallstrick: Die Bearbeitungszeit. Die meisten Bauherren denken, sie haben Zeit - aber das ist falsch. Die STWBS in Bad Salzuflen dokumentiert eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von 4 bis 6 Wochen für vollständige Anträge. Wenn die Unterlagen unvollständig sind, dauert es nochmal 14 Tage länger. Die Bauzeitschrift „Bauhandwerk“ hat 2024 eine Studie durchgeführt: Nur 22 % der Bauherren, die weniger als 6 Wochen vor Baubeginn beantragten, bekamen ihren Anschluss pünktlich. Dipl.-Ing. Thomas Müller von e-netz Südhessen sagt klar: „Verzögerungen bei Baustrom und Bauwasser sind einer der häufigsten Gründe für Baustopps in den ersten Bauwochen.“
Prof. Dr. Sabine Weber von der TU München ergänzt: „Eine Verzögerung hier wirkt sich exponentiell auf die gesamte Bauzeit aus.“ Ein Tag Verspätung beim Baustrom kann die ganze Bauphase um Wochen verschieben - weil Beton nicht ohne Strom gemischt werden kann, Rohre nicht ohne Wasser verlegt werden können.
Wie kann man Fehler vermeiden?
Die häufigsten Fehler sind:
- Einreichen zu spät - weniger als 8 Wochen vor Baubeginn
- Falsche Leistung angegeben (zu niedrig - dann muss später teuer nachgerüstet werden)
- Unvollständiger Lageplan (oft mit falschem Maßstab oder ohne genaue Position)
- Fehlender Nachweis der Baugenehmigung - viele Versorger verlangen ihn vorab
- Verwechslung: Ein permanenter Hausanschluss statt eines temporären Baustromanschlusses beantragt - das kostet bis zu 2.850 Euro Zusatzkosten
Als Faustregel: Beantrage beide Anschlüsse mindestens 10 Wochen vor Baubeginn. Das ist die Zeit, die Experten empfehlen, um Puffer für Verzögerungen einzuplanen. Die Bauherrin „Bauherrin99“ aus dem Forum Bauexperten.de hat es vorgemacht: Sie beantragte 10 Wochen vorher - alles lief reibungslos. Der Kasten stand pünktlich, das Wasser floss. Keine Stressphase, kein Baustopp.
Digitale Anträge - der neue Standard
Die Digitalisierung schreitet voran. Im Jahr 2022 boten nur 45 % der deutschen Stadtwerke Online-Anträge an. 2024 sind es 78 %. Die e-netz Südhessen hat im April 2024 ein vollständig digitales System eingeführt - und die Bearbeitungszeit sank um 30 %. Auch E.ON testet seit Januar 2025 digitale Zähler für Baustrom, die dir den Verbrauch in Echtzeit aufs Handy schicken. Das ist nicht nur praktisch - es hilft dir auch, Kosten zu kontrollieren.
Bis 2026 plant die Deutsche Energie-Agentur (dena) eine bundesweite Standardisierung der Antragsformulare. Das wird die Prozesse noch einfacher machen. Aber solange das nicht da ist: Nutze die digitalen Angebote deiner Stadtwerke. Sie sind schneller, fehlerfreier und transparenter.
Was passiert, wenn ich es nicht mache?
Nicht nur, dass du nicht bauen kannst - du riskierst auch Bußgelder. Die Bauaufsichtsbehörden kontrollieren die Baustellen. Wenn kein Baustrom oder kein Bauwasser nachgewiesen werden kann, wird der Bau gestoppt. Der Bauherr muss dann nicht nur die Kosten für die Verspätung tragen, sondern auch die Kosten für die Nachrüstung und mögliche Strafen. In einigen Kommunen sind die Bußgelder bei wiederholten Verstößen auf bis zu 5.000 Euro festgesetzt. Es ist kein Spiel mit dem Feuer - es ist ein Verstoß gegen die Baurechtsordnung.
Was ist mit Gewerbe- oder größeren Projekten?
Bei Gewerbe- oder größeren Bauvorhaben (z. B. Mehrfamilienhäuser, Lagerhallen) steigt die Leistung auf bis zu 63 kW. Das bedeutet höhere Mietkosten, stärkere Kabel und oft mehrere Verteilerkästen. Die Anforderungen an den Lageplan werden strenger, oft ist ein Bauplan mit Bauabschnitten nötig. Die Bearbeitungszeit kann sich auf bis zu 8 Wochen verlängern. Hier lohnt es sich, frühzeitig einen Bauleiter oder Bauberater einzuschalten, der den Prozess übernimmt.
Was passiert nach dem Bau?
Wenn das Haus fertig ist, wird der Baustromkasten abgebaut und der permanente Hausanschluss aktiviert. Der Wasserversorger schaltet dann den festen Wasserzähler ein. Du musst nicht selbst etwas tun - die Stadtwerke und der Wasserversorger melden sich bei dir, wenn es soweit ist. Der temporäre Anschluss wird automatisch deaktiviert. Du zahlst dann nur noch die normale Strom- und Wasserrechnung.
Fazit: Planen, nicht warten
Baustrom und Bauwasser sind kein lästiges Extra - sie sind die Grundlage für jeden Bau. Wer hier spart, verliert Zeit, Geld und Nerven. Die Kosten sind zwar nicht niedrig, aber sie sind vorhersehbar. Die Verzögerungen sind es nicht. Die Lösung ist einfach: Beantrage beide Anschlüsse mindestens 10 Wochen vor Baubeginn. Sammle die Unterlagen, nutze digitale Formulare, lass dich von den Stadtwerken beraten. Wer früh plant, baut entspannt. Wer wartet, baut unter Stress - und zahlt doppelt.
Kann ich Baustrom von einem Nachbarn nehmen?
Nein. Es ist gesetzlich nicht erlaubt, Baustrom oder Bauwasser über einen Nachbarn zu beziehen. Selbst wenn er zustimmt, verstößt du gegen die Versorgungssatzungen. Die einzige legale Möglichkeit ist der offizielle Anschluss über die Stadtwerke oder den Wasserversorger. Wer das ignoriert, riskiert Bußgelder und einen Baustopp.
Wie lange dauert es, bis der Baustromkasten steht?
Nach Einreichung eines vollständigen Antrags dauert es in der Regel 4 bis 6 Wochen. Bei unvollständigen Unterlagen können es bis zu 8 Wochen werden. Einige Stadtwerke wie e-netz Südhessen schaffen es mit digitalen Formularen in 3 Wochen. Aber das ist die Ausnahme. Plan immer mit 6-8 Wochen.
Was kostet ein Bauwasseranschluss genau?
Der minimale Baukostenzuschuss (BKZ) liegt bei 1.225 Euro netto. Dazu kommen die Kosten für die Verlegung der Leitung, die je nach Grundstücksbeschaffenheit zwischen 500 und 3.000 Euro liegen können. Wenn du pauschal abgerechnet wirst, kostet es oft 20-30 % mehr als eine mengenbasierte Abrechnung. Für ein kleines Einfamilienhaus rechnest du mit insgesamt 1.800 bis 3.500 Euro.
Muss ich eine Baugenehmigung haben, bevor ich den Antrag stelle?
Ja, in den meisten Fällen. Viele Stadtwerke und Wasserversorger verlangen den Nachweis der Baugenehmigung als Voraussetzung für die Anschlusserteilung. Ohne Genehmigung wird dein Antrag nicht bearbeitet. Es ist also sinnvoll, die Genehmigung zuerst zu beantragen - und dann sofort die Bauanschlüsse.
Was passiert, wenn ich den Baustrom zu spät beantrage?
Du riskierst einen Baustopp. Ohne Strom kann kein Beton gemischt, keine Bohrmaschine betrieben, kein Wasser installiert werden. Der Bauleiter muss warten - und du zahlst für jeden Tag Verzögerung: Mietkosten für den Bauplatz, Lohn für das Personal, Vertragsstrafen. Die durchschnittliche Verzögerung beträgt 10-14 Tage, wenn der Anschluss fehlt. Das kostet oft mehr als die Anschlusskosten selbst.