Wenn du 2026 ein Haus baust oder dein Dach sanierst, kannst du nicht mehr einfach entscheiden, ob du Solarpaneele aufs Dach legen willst. In vielen Teilen Deutschlands ist es Solardachpflicht - und das bedeutet: Du musst es tun. Aber wie genau? Welche Regelung gilt in deinem Bundesland? Und was passiert, wenn du es nicht machst? Die Antwort ist nicht einfach, denn es gibt keine einheitliche Regelung für ganz Deutschland. Stattdessen gilt: Jedes Bundesland macht sein eigenes Gesetz. Und das macht die Sache kompliziert - besonders für Bauherren, die nicht wissen, wo sie anfangen sollen.
Wo gilt die Solardachpflicht eigentlich?
Stand Januar 2026 gilt die Pflicht zur Installation von Solaranlagen auf Dächern in mindestens sieben Bundesländern. Die ersten haben angefangen: Hamburg führte sie im Januar 2023 ein, Nordrhein-Westfalen folgte mit strengeren Regeln im Januar 2025. Bremen verlangt sogar 50 Prozent der Dachfläche für Photovoltaik - und das ab Juli 2025 für Neubauten. Andere Länder wie Bayern oder Sachsen haben noch keine solche Regelung, aber sie arbeiten daran. Die Bundesregierung plant bis Mitte 2026 ein einheitliches Gesetz, um den Flickenteppich zu beenden. Bis dahin musst du dich an die Regeln deines Bundeslandes halten.Das ist kein kleiner Unterschied. In Hamburg musst du bei jedem Neubau 30 Prozent der nutzbaren Dachfläche mit Solarzellen belegen. In NRW ist es genauso - aber dort gilt das auch für Bestandsgebäude, wenn du das Dach komplett erneuerst. Und in Bremen? Da musst du fast die Hälfte des Daches mit Solaranlagen bestücken. Wenn du in einem historischen Viertel baust, wie in Hamburgs Altstadt, gibt es manchmal Ausnahmen - aber die musst du beantragen. Und die Behörden prüfen das genau.
Was genau muss auf das Dach?
Es reicht nicht, einfach irgendeine Solaranlage aufs Dach zu klemmen. Die Vorgaben sind technisch präzise. In NRW muss die Anlage mindestens 30 Prozent der nutzbaren Brutto-Dachfläche bedecken. Das ist nicht die gesamte Dachfläche - sondern nur der Teil, der tatsächlich für Solaranlagen geeignet ist. Dachfenster, Schornsteine, Dachgauben und steile Abschnitte zählen nicht mit. Die Anlage muss zudem mindestens 3 kWp Leistung haben - bei größeren Gebäuden bis zu 8 kWp. In Hamburg reicht es, wenn die Anlage 30 Prozent der Fläche belegt, aber ab 2027 muss auf flachen Dächern (bis 10 Grad Neigung) zusätzlich ein Gründach mit 70 Prozent extensiver Begrünung installiert werden. Das ist eine Kombination aus Sonne und Grün - und das macht die Planung komplexer.Die Module selbst müssen modern sein. Moderne Solarpaneele haben heute einen Wirkungsgrad von 22 bis 23 Prozent. Das heißt: Selbst wenn dein Dach nicht nach Süden zeigt, lohnt sich die Anlage noch. Aber du musst darauf achten, dass die Module nicht von Bäumen, Nachbargebäuden oder Schornsteinen beschattet werden. Sonst sinkt der Ertrag - und damit auch die Wirtschaftlichkeit.
Was kostet das wirklich?
Eine durchschnittliche 6-kWp-Anlage kostet heute etwa 8.450 Euro - inklusive Montage und Netzanschluss. Das ist kein Kleingeld. Aber du bekommst das Geld nicht einfach ausgezahlt. Du sparst es durch Eigenverbrauch. Wenn du den Strom, den deine Anlage produziert, selbst nutzt, vermeidest du den Kauf von teurem Netzstrom. Der liegt 2026 bei durchschnittlich 42 Cent pro kWh. Ein Haushalt mit 6-kWp-Anlage und 12-kWh-Speicher kann so 30 bis 40 Prozent seines Strombedarfs selbst decken. Die Verbraucherzentrale NRW rechnet vor: Bei diesen Werten amortisiert sich die Anlage in 8,2 Jahren. Danach hast du fast zehn Jahre lang fast kostenlosen Strom - und das bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren.Doch die Kosten sind nicht nur die Anlage. In NRW musst du bei Neubauten das Dach so planen, dass später eine Solaranlage problemlos nachgerüstet werden kann - das nennt man „PV-Ready“. Das kostet zusätzliche 300 bis 500 Euro bei der Planung. Wenn du ein Bestandsdach sanierst, musst du die Anlage innerhalb von zwei Jahren nach der Dachsanierung installieren. Und wenn du denkst, du kannst es einfach ignorieren: Die Bauaufsichtsbehörden prüfen das. Ohne Nachweis der Solaranlage bekommst du keine Baugenehmigung.
Was passiert, wenn das Dach nicht tragfähig ist?
Nicht jedes Dach hält die zusätzliche Last von Solarpaneele aus. Eine PV-Anlage wiegt zwischen 15 und 20 Kilogramm pro Quadratmeter. Bei 30 Prozent Dachfläche sind das leicht 500 bis 1.000 Kilogramm zusätzlich. Eine Studie der TU München aus Dezember 2025 zeigt: Bei 12 Prozent der älteren Gebäude in Deutschland gibt es statische Probleme. Das bedeutet: Das Dach könnte nicht mehr sicher sein. In diesen Fällen kannst du eine Ausnahme beantragen - aber du brauchst einen Gutachter. Der prüft die Tragfähigkeit und stellt ein Gutachten aus. Das kostet 400 bis 800 Euro. Und das ist nicht optional. Ohne dieses Dokument wird deine Antrag auf Baugenehmigung abgelehnt.Warum dauert der Netzanschluss so lange?
Du hast die Anlage installiert? Gut. Jetzt musst du sie mit dem Stromnetz verbinden. Und hier kommt der große Ärger. Die Netzbetreiber haben nicht genug Personal. Die Bearbeitungszeit für einen Anschlussantrag liegt im Schnitt bei 14,3 Wochen - das sind mehr als drei Monate. Ein Bauherr aus NRW berichtete auf einem Forum, dass er 16 Wochen auf die Freigabe warten musste. Das verzögert den Einzug in dein neues Haus. Und wenn du ein Bestandsgebäude sanierst, kann das die Mietverträge durcheinanderbringen. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt: Das ist die größte Hürde - nicht die Kosten, nicht die Dachfläche, sondern die Bürokratie.Ein weiteres Problem: Viele Verteilnetze sind überlastet. 28 Prozent der deutschen Netze haben bereits heute Engpässe, wenn zu viel Solarstrom eingespeist wird. Die Netzbetreiber schalten dann Solaranlagen ab - auch wenn sie funktionieren. Das ist ärgerlich. Und es zeigt: Die Solardachpflicht allein reicht nicht. Wir brauchen auch ein modernes Netz, das den Strom von vielen kleinen Anlagen aufnehmen kann.
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