Was ist Wohn-Riester wirklich?
Wohn-Riester ist keine einfache Sparform - es ist ein staatlich gefördertes Programm, das dir hilft, deine Immobilie zu finanzieren oder zu tilgen. Du nutzt deine Riester-Rente nicht für die Altersvorsorge, sondern fürs Eigenheim. Seit 2002 gibt es diese Möglichkeit, aber erst seit 2024 kannst du das Geld auch für energetische Sanierungen einsetzen. Das bedeutet: Wenn du deine Heizung austauschst, deine Fenster ersetzt oder die Dämmung verbessern willst, kannst du Wohn-Riester nutzen. Die Förderung läuft über das Wohnförderkonto ein spezielles Konto, auf das die staatlichen Zulagen und deine Einzahlungen fließen und das später zur Versteuerung herangezogen wird.
Wie viel Geld bekommst du wirklich?
Die Zulagen sind der Hauptanreiz. 2025 bekommst du pro Jahr 210 Euro Grundzulage - und für jedes Kind noch mal 185 Euro. Das klingt nach viel, aber nur, wenn du auch wirklich einzahlst. Du musst mindestens 4 Prozent deines sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens einzahlen, maximal aber 2.100 Euro. Wenn du 30.000 Euro verdienst, musst du also mindestens 1.200 Euro pro Jahr einzahlen, um die volle Zulage zu bekommen. Wer weniger verdient, bekommt weniger Zulage - und wer mehr verdient, zahlt mehr ein, aber nicht mehr als 2.100 Euro jährlich. Die Zulagen werden nicht bar ausgezahlt, sondern direkt auf dein Wohnförderkonto gebucht.
Die große Falle: Versteuerung im Alter
Das ist der Punkt, den fast alle vergessen. Das Geld, das du mit Wohn-Riester angespart hast, wird im Alter als Einkommen versteuert. Und das kann teuer werden. Wenn du dann schon Rente bekommst, und dein angespartes Kapital dazu kommt, kann dein Gesamteinkommen in eine höhere Steuerklasse rutschen. Die Deutsche Rentenversicherung die zuständige Behörde für die Auszahlung der Zulagen und die Verwaltung der Wohnförderkonten sagt, dass 68 Prozent der Verträge steuerliche Nachteile haben. Das bedeutet: Du sparst heute Zinsen, aber zahlst später mehr Steuern. Ein Beispiel: Du hast 40.000 Euro angespart. Im Alter ziehst du das ab - plötzlich hast du ein Einkommen von 2.000 Euro mehr pro Jahr. Wenn du sonst 1.800 Euro Rente bekommst, steigt dein steuerpflichtiges Einkommen auf 3.800 Euro. Das kann dich in die 20- oder sogar 25-%-Steuerklasse katapultieren.
Wann lohnt sich Wohn-Riester wirklich?
Es lohnt sich nur, wenn du drei Dinge erfüllst: Erstens, du bleibst dein Leben lang in der Immobilie. Wenn du sie vermietest, verlierst du alle Zulagen - und musst sie zurückzahlen. Zweitens, du hast Kinder. Ohne Kinder ist die Förderung oft nicht mal die Mühe wert. Drittens, du hast ein stabiles Einkommen. Wer sich unsicher ist, ob er in 15 Jahren noch hier wohnt, sollte lieber die Finger davon lassen. Eine Studie der Verbraucherzentrale eine unabhängige Beratungsstelle, die Wohn-Riester als 'nur bedingt empfehlenswert' einstuft zeigt: 63 Prozent der Nutzer haben Angst, die Förderung zu verlieren, wenn sie umziehen oder vermieten müssen. Wer beruflich flexibel ist, sollte sich lieber für eine ETF-Sparplan entscheiden.
Im Vergleich: Wohn-Riester vs. Bausparvertrag
Ein klassischer Bausparvertrag ist einfacher. Du sparst, bekommst Zinsen, und wenn du genug hast, nimmst du den Kredit. Keine Zulagen, aber auch keine Zwänge. Du kannst die Immobilie verkaufen, vermieten, umbauen - alles ohne Strafen. Bei Wohn-Riester ist das nicht möglich. Wenn du die Wohnung vermietest, musst du die Zulagen zurückzahlen - oft zehntausende Euro. Ein Beispiel: Ein Paar mit zwei Kindern hat 15 Jahre lang 850 Euro Zulage pro Jahr erhalten - das sind 12.750 Euro. Wenn sie dann umziehen, müssen sie das alles zurückzahlen. Das ist kein kleiner Betrag. Ein Bausparvertrag ohne Förderung ist flexibler - aber du bekommst keine staatliche Unterstützung. Wer auf Sicherheit und Flexibilität setzt, wählt Bausparen. Wer auf Förderung und langfristige Bindung setzt, wählt Wohn-Riester.
Die Zinsfalle: Warum viele Verträge nicht mehr lohnen
Die Zinsen sind gestiegen. Aktuell liegen sie bei durchschnittlich 3,85 Prozent. Bei diesen Zinsen wird dein Wohn-Riester-Darlehen teuer. Du musst es bis zum 68. Lebensjahr vollständig tilgen - das ist ein harter Zeitplan. Wenn du 400.000 Euro finanzierst und 40.000 Euro mit Wohn-Riester tilgst, bleibt ein Kredit von 360.000 Euro. Bei 3,85 Prozent Zinsen über 20 Jahre: Monatsrate von 2.250 Euro. Das ist viel. Die Zulagen helfen nicht wirklich - sie decken nur 210 Euro pro Jahr ab. Du zahlst also fast 2.000 Euro mehr pro Monat als ohne Wohn-Riester. Die Universität Mannheim eine Forschungseinrichtung, die modelliert hat, wie Wohn-Riester bei hohen Zinsen weniger attraktiv wird hat berechnet: Bei Zinsen über 3,8 Prozent lohnt sich Wohn-Riester für viele Haushalte nicht mehr. Die Verzinsung des angesparten Guthabens liegt bei nur 0,5 bis 1,2 Prozent - das ist weniger als die Inflation.
Praktische Tipps: So machst du es richtig
- Beantrage früh: Die Bearbeitung dauert 6-8 Wochen. Hole die Unterlagen im Voraus ein.
- Halte 10 Prozent zurück: Lege Geld auf ein Tagesgeldkonto, um die spätere Versteuerung zu finanzieren.
- Vermeide Vermietung: Schon ein Auszug von mehr als 12 Monaten kann die Förderung komplett löschen.
- Wähle einen guten Berater: 43 Prozent der Berater erklären die Regeln falsch. Frag nach konkreten Beispielen.
- Prüfe die Zinsbindung: Nutze nur Verträge mit mindestens 20 Jahren Zinsbindung. Sonst riskierst du höhere Raten.
Was kommt 2025?
Die Regierung plant keine großen Änderungen. Die Zulagen steigen auf 210 Euro Grundzulage - das ist gut. Aber die Tilgungspflicht bis 68 bleibt. Ein digitales Antragsportal der Deutschen Rentenversicherung soll die Prozesse schneller machen - das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber die steuerlichen Nachteile werden nicht gelöst. Die Bundesregierung hat klargestellt: Keine Reform bis 2025. Das bedeutet: Wenn du jetzt einsteigst, musst du die alten Regeln akzeptieren. Wer auf Veränderungen hofft, wartet besser.
Was sagen Nutzer?
Die Erfahrungen sind gespalten. Ein Nutzer auf Finanzfrage.net schreibt: 'Mit Wohn-Riester haben wir 1.400 Euro Zinsen pro Jahr gespart - die Zulagen machen die Sache attraktiv.' Ein anderer auf Reddit sagt: 'Nach 15 Jahren mussten wir die Immobilie vermieten - und 12.500 Euro zurückzahlen. Die Bürokratie war ein Albtraum.' Eine Umfrage von Finanztest unter 1.200 Nutzern zeigt: 58 Prozent sind zufrieden, aber 72 Prozent finden die Regeln zu kompliziert. Die häufigsten Vorteile: niedrigere Kreditraten und bessere Eigenkapitaldeckung. Die häufigsten Nachteile: Angst vor Verlust der Förderung und komplizierte Abrechnung.
Fazit: Für wen ist es wirklich sinnvoll?
Wohn-Riester ist kein Allheilmittel. Es ist ein Werkzeug - und wie jedes Werkzeug, hat es seine Grenzen. Es lohnt sich nur für Familien mit Kindern, die ihr Leben lang in der Immobilie bleiben wollen, ein stabiles Einkommen haben und bereit sind, die steuerlichen Risiken zu tragen. Wer flexibel ist, unsicher ist, oder nur ein kleines Einkommen hat, sollte es meiden. Die Förderung ist attraktiv - aber sie hat einen hohen Preis. Die meisten Menschen unterschätzen den langfristigen Aufwand und die Verpflichtungen. Wenn du dir sicher bist, dass du nicht umziehen wirst, Kinder hast und deine Finanzen im Griff hast - dann ist Wohn-Riester eine echte Option. Sonst nicht.
Kann ich Wohn-Riester auch für eine Wohnung nutzen?
Ja, Wohn-Riester gilt für den Kauf oder Bau einer Eigentumswohnung, einer Genossenschaftswohnung oder eines Einfamilienhauses. Wichtig ist nur: Du musst die Immobilie selbst bewohnen. Eine reine Investitionswohnung ohne Selbstnutzung ist nicht förderfähig.
Was passiert, wenn ich die Immobilie verkaufe?
Wenn du die Immobilie verkaufst, musst du alle erhaltenen Zulagen zurückzahlen - inklusive der Kinderzulagen. Die Rückzahlung erfolgt über das Wohnförderkonto. Es gibt Ausnahmen nur bei schwerwiegenden Lebensumständen wie Arbeitslosigkeit oder schwere Krankheit - aber selbst dann musst du die Zulagen oft anteilig zurückzahlen. Der Verkauf ist kein einfacher Ausstieg.
Ist Wohn-Riester auch für Alleinstehende sinnvoll?
Für Alleinstehende lohnt sich Wohn-Riester nur bei hohem Einkommen - weil du sonst nicht genug einzahlst, um die volle Zulage zu bekommen. Wer unter 30.000 Euro verdient, bekommt kaum Zulagen und zahlt dafür hohe Raten. In den meisten Fällen ist ein ETF-Sparplan oder ein klassischer Bausparvertrag besser. Die Kinderzulage macht den Unterschied - ohne Kinder ist die Förderung oft nicht rentabel.
Kann ich Wohn-Riester mit einem Bausparvertrag kombinieren?
Ja, das ist möglich und oft sinnvoll. Du kannst einen Teil des Darlehens mit Wohn-Riester tilgen und den Rest mit einem Bausparvertrag finanzieren. Viele Banken bieten Kombi-Modelle an. Aber Achtung: Die Zulagen gelten nur für die Tilgung des Wohn-Riester-Darlehens. Der Bausparvertrag ohne Förderung bleibt flexibel - du kannst ihn später verkaufen oder umwandeln, ohne Strafen.
Wann muss ich die Zulagen zurückzahlen?
Du musst die Zulagen zurückzahlen, wenn du die Immobilie vor dem 68. Lebensjahr vermietest, verkaufst oder nicht mehr selbst nutzt - und das länger als 12 Monate. Auch wenn du die Immobilie an einen Familienmitglied überschreibst, aber nicht mehr dort wohnst, kann das als Nicht-Selbstnutzung gewertet werden. Die Rückzahlung erfolgt in einer Summe - oft mit Zinsen. Die Zulagen werden nicht einfach gestrichen, sie werden aktiv eingezogen.
Wie hoch ist die Verzinsung des Wohnförderkontos?
Die Verzinsung liegt zwischen 0,5 und 1,2 Prozent pro Jahr - deutlich unter dem Marktniveau. Das Geld wird nicht in Aktien oder ETFs angelegt, sondern in sicheren, aber sehr niedrig verzinsten Anlagen. Du sparst nicht durch Zinsen, sondern durch die staatlichen Zulagen. Die Rendite kommt also nicht vom Kapital, sondern von der Förderung.
Kann ich Wohn-Riester auch nachträglich für eine bestehende Immobilie nutzen?
Ja, du kannst Wohn-Riester auch für eine bereits bestehende Immobilie nutzen - aber nur, wenn du sie noch nicht vollständig abbezahlt hast. Du kannst die Zulagen für die Tilgung deines bestehenden Darlehens einsetzen. Das funktioniert auch für energetische Sanierungen. Du musst aber nachweisen, dass du die Immobilie selbst nutzt und dass die Sanierung förderfähig ist.
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