Wenn du plötzlich einen modrigen Geruch in der Wohnung spürst oder schwarze Flecken an der Wand siehst, ist es nicht nur ein Ästhetikproblem. Schimmelpilz ist eine ernsthafte Gesundheitsbedrohung. Laut dem Umweltbundesamt verursachen Schimmelpilze in deutschen Wohnungen jährlich rund 150.000 Atemwegserkrankungen. Und das Problem wird größer: Seit 2018 sind Schimmelschäden durch falsch ausgeführte Dämmungen um 23 % gestiegen. Wer nach einem Schimmelschaden wieder gesund wohnen will, muss mehr tun als nur die Wand abwischen. Es braucht eine strukturierte Sanierung - und vor allem: eine Freimessung.
Warum Eigenreinigung oft scheitert
Viele versuchen, Schimmel mit Essig, Spiritus oder Bleiche selbst zu entfernen. Das klingt günstig - und oft auch sinnvoll. Doch die Realität ist anders. Eine Studie des Instituts für Baubiologie zeigt: Hausmittel sind bei stärkerem Befall nur zu 35 % effektiv. Und wenn du den Schimmel einfach abwischt, ohne die Ursache zu beheben, kehrt er zurück - meist innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. In 68 % der Fälle, bei denen Mieter Befälle über 0,4 Quadratmeter selbst beseitigt haben, trat der Schimmel wieder auf. Ein Nutzer auf Reddit beschreibt, wie er nach einer Eigenreinigung drei Monate später denselben Fleck wiederfand - weil er die Kältebrücke hinter der Wand nicht erkannte. Schimmel wächst nicht nur auf der Oberfläche. Er durchdringt Putz, Dämmung, Holz, sogar Elektroleitungen. Wer nur die sichtbare Sporenschicht entfernt, bekämpft das Symptom - nicht die Krankheit.Die vier Schritte der professionellen Sanierung
Die Deutsche Gesellschaft für Schimmelsanierung (DGS) und die VDI-Richtlinie 6022:2021-08 definieren einen klaren Prozess, der in vier Schritten funktioniert. Nur wenn alle Schritte durchgeführt werden, ist eine dauerhafte Lösung möglich.- Entfernung des befallenen Materials: Alle befallenen Putz- und Tapetenflächen werden abgetragen - bis auf den unbehandelten Untergrund. Dabei wird mit 70-prozentigem Ethylalkohol angefeuchtet, um Sporen nicht in die Luft zu wirbeln. Bei Befall über 0,4 m² ist eine FFP3-Maske Pflicht - laut DGUV Regel 112-190. Viele Mieter tragen gar keine Schutzkleidung: 62 % der Betroffenen, die selbst reinigen, ignorieren das Risiko.
- Desinfektion und Trocknung des Untergrunds: Der nackte Putz oder die Holzkonstruktion wird mit chlorfreien Mitteln in Schlaf- und Kinderzimmern behandelt, in Badezimmern mit chlorhaltigen Lösungen. Die Trocknung ist entscheidend. Bautrockner müssen eine Luftwechselrate von mindestens 4-fach pro Stunde erreichen - eine neue Anforderung der VDI 6022-10 seit Januar 2024. Bei Putzflächen dauert die Trocknung mindestens 72 Stunden, bei Holz bis zu 14 Tage. Wer nach 24 Stunden wieder streicht, macht die ganze Arbeit kaputt.
- Feinreinigung der gesamten Wohnung: Nicht nur die Wand ist betroffen. Fensterrahmen, Elektroanschlüsse, Bodenleisten und sogar Luftschächte müssen gereinigt werden. Schimmelsporen lagern sich überall ab. Eine professionelle Sanierung beinhaltet eine systematische Reinigung aller Oberflächen mit speziellen Sauggeräten und Antistatikmitteln.
- Freimessung durch akkreditierten Gutachter: Das ist der entscheidende Schritt, den viele ignorieren. Eine Freimessung ist kein optischer Check. Sie misst die Konzentration von Schimmelsporen in der Luft. Nach VDI 4300-15:2021 werden mindestens drei Luftproben à 500 Liter pro Raum entnommen - und in einem akkreditierten Labor analysiert. Der Grenzwert für Aspergillus und Penicillium liegt bei 1.000 KBE/m³. Über diesem Wert ist die Wohnung nicht gesund bewohnbar. Die Freimessung muss von einem unabhängigen Gutachter durchgeführt werden. 74 % der Betroffenen wissen das nicht.
Was kostet eine echte Sanierung?
Professionelle Sanierungen kosten zwischen 50 und 150 € pro Quadratmeter - je nach Ausmaß, Material und Zugänglichkeit. Das klingt teuer. Aber im Vergleich zu den Folgekosten einer falschen Sanierung ist es günstig. Wer falsch reinigt, zahlt später: Wiederkehrender Schimmel führt zu erneuten Sanierungen, gesundheitlichen Schäden und sogar Mietminderungen. Die Verbraucherzentrale warnt: Falsch durchgeführte Eigenreinigungen können Folgekosten von bis zu 1.200 € pro Quadratmeter verursachen. Die Freimessung kostet zwischen 150 und 300 € pro Raum. Ein Preis, den viele als überflüssig ansehen. Doch ohne sie weiß man nicht, ob die Wohnung wirklich sicher ist. Die Verbraucherzentrale berichtet, dass viele Firmen nur eine „Sichtprüfung“ anbieten - und das als „Freimessung“ verkaufen. Das ist Betrug. Eine echte Freimessung hat ein Laborprotokoll, ein Datum, eine Signatur und eine genaue Sporenanzahl.
Wann darfst du selbst handeln?
Es gibt Ausnahmen. Wenn der Schimmelbefall kleiner als 0,4 m² ist, also etwa die Größe einer Handfläche, kannst du selbst vorgehen - aber nur mit Vorsicht. Du brauchst: FFP2-Maske, Handschuhe, Schutzbrille, und ein feuchtes Tuch mit 70 %igem Ethylalkohol. Du reibst die Fläche vorsichtig ab, trocknest sie mit einem saugfähigen Tuch, und lässt die Luft mindestens 24 Stunden zirkulieren. Danach: keine Farbe oder Tapete aufbringen. Erst nach einer Woche, wenn die Wand komplett trocken ist. Aber: Wenn du nach dem Reinigen den Geruch noch spürst, wenn die Wand feucht bleibt oder wenn du Asthma, Allergien oder Kinder im Haus hast - dann ruf einen Profi. Die Risiken sind zu hoch.Die neue Richtlinie: Was sich 2024 geändert hat
Ab Januar 2024 gilt die aktualisierte VDI 6022-10:2023-09. Sie verschärft die Anforderungen - und das ist gut so. Die Luftwechselrate bei der Trocknung wurde von 2- auf 4-fach pro Stunde erhöht. Das bedeutet: Bautrockner müssen stärker arbeiten. Die Freimessung muss jetzt auch die Art der Schimmelpilze identifizieren, nicht nur die Menge. Und: Die Sanierungsfirmen müssen nachweisen, dass sie die Ursache beseitigt haben - nicht nur die Symptome. Die Bundesregierung fördert mit 2,5 Millionen Euro eine Aufklärungskampagne der Deutschen Lungenstiftung. Ziel: Jeder Deutsche soll wissen, dass Schimmel kein „normales“ Problem ist - und dass Freimessung kein Luxus, sondern eine medizinische Notwendigkeit.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du Schimmel entdeckst:- Halte die betroffene Zone ab. Schließe die Tür, lüfte nicht in andere Räume.
- Notiere die Größe des Befalls. Ist es größer als eine Handfläche? Dann ruf einen Experten.
- Frage nach einem Schadensgutachten. Bei Befall über 1 m² ist es gesetzlich vorgeschrieben (DIN 18380:2022-03).
- Verlange eine Freimessung - und zwar von einem unabhängigen Gutachter, nicht vom Sanierer.
- Prüfe die Akkreditierung des Labors. Es muss nach DIN EN ISO/IEC 17025 zertifiziert sein.
- Frage nach der Ursachenanalyse. Wurde eine Thermografie gemacht? Wurde die Dämmung geprüft? Wenn nein: Suche dir einen anderen Anbieter.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
| Parameter | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Max. zulässige Sporenkonzentration | 1.000 KBE/m³ (Aspergillus/Penicillium) | VDI 4300-15:2021 |
| Min. Luftwechselrate bei Trocknung | 4-fach pro Stunde | VDI 6022-10:2023 |
| Min. Luftproben pro Raum | 3 × 500 Liter | VDI 4300-15:2021 |
| Max. Fläche für Eigenreinigung | 0,4 m² | Deutsche Baubiologische Gesellschaft |
| Effektivität von Hausmitteln | 35 % | Institut für Baubiologie 2023 |
| Wiederauftreten bei Eigenreinigung | 68 % innerhalb 12 Monate | DGS |
| Professionelle Sanierungserfolgsquote | 92 % | Institut für Baubiologie 2023 |
Wie du sicher wohnst - langfristig
Ein Schimmelschaden ist kein Einzelfall. Er ist ein Signal. Er sagt: Da stimmt etwas mit deinem Haus nicht. Vielleicht ist die Dämmung schlecht. Vielleicht lüftest du zu wenig. Vielleicht hast du eine undichte Stelle. Die Sanierung ist nur die erste Hälfe. Der zweite Schritt ist: Veränderung deines Verhaltens. Lüfte dreimal täglich - mindestens 10 Minuten stoßweise. Nicht nur im Bad, sondern auch im Schlafzimmer. Die Luftfeuchtigkeit sollte unter 60 % bleiben. Nutze ein Hygrometer - sie kosten unter 20 €. Vermeide Trockner in geschlossenen Räumen. Und wenn du renovierst: Lass die Dämmung von einem Baubiologen prüfen. Denn Schimmel kommt nicht aus dem Nichts. Er wächst dort, wo Feuchtigkeit bleibt - und wo niemand hinsieht. Die Zukunft des Wohnens ist nicht nur energieeffizient. Sie ist auch gesund. Und das beginnt mit einer sauberen Wand - und einer echten Freimessung.Kann ich Schimmel selbst entfernen, wenn er nur klein ist?
Ja, wenn der Befall kleiner als 0,4 Quadratmeter ist - also etwa die Größe einer Handfläche. Du brauchst eine FFP2-Maske, Handschuhe und 70-prozentigen Ethylalkohol. Bevor du reibst, befeuchtest du die Fläche leicht, um Sporen nicht aufzuwirbeln. Danach trocknest du gründlich und wartest mindestens eine Woche, bevor du streichst. Wenn der Geruch bleibt oder die Wand feucht ist, hör auf und ruf einen Profi.
Was ist eine Freimessung und warum brauche ich sie?
Eine Freimessung ist eine wissenschaftliche Prüfung der Luftqualität nach einer Schimmelsanierung. Drei Luftproben à 500 Liter werden in jedem Raum entnommen und in einem akkreditierten Labor auf Schimmelsporen analysiert. Der Grenzwert liegt bei 1.000 KBE/m³. Ohne Freimessung weißt du nicht, ob die Sanierung wirklich erfolgreich war. Viele Firmen geben nur eine „Sichtprüfung“ aus - das ist kein Nachweis. Eine echte Freimessung schützt deine Gesundheit und kann dir bei Mietstreitigkeiten helfen.
Wie erkenne ich einen seriösen Sanierer?
Ein seriöser Sanierer bietet dir: 1) Eine Ursachenanalyse (z. B. Thermografie), 2) Ein Schadensgutachten (bei Befall über 1 m² Pflicht), 3) Eine Freimessung durch einen unabhängigen Gutachter, 4) Dokumentation aller Schritte. Er trägt das Qualitätssiegel „Geprüfte Schimmelsanierung“ der Deutschen Baubiologischen Gesellschaft (IBN). Aktuell gibt es 287 zertifizierte Unternehmen in Deutschland. Frag nach dem Zertifikat - und prüfe es online.
Warum tritt Schimmel nach der Sanierung wieder auf?
Weil die Ursache nicht beseitigt wurde. Häufige Gründe: Kältebrücken in der Dämmung, undichte Fenster, falsche Lüftung, oder ein Wasserschaden, der nicht vollständig getrocknet wurde. Viele Sanierer entfernen nur den Schimmel - aber nicht die Feuchtigkeitsquelle. Ohne diese Analyse ist jede Sanierung nur eine vorübergehende Lösung. Die neue VDI-Richtlinie 6022-10 verlangt jetzt, dass die Ursache dokumentiert und behoben wird.
Kann Schimmel mich krank machen?
Ja. Schimmelpilze setzen Sporen und Giftstoffe frei, die Atemwegserkrankungen, Allergien und Asthma auslösen können. Bereits ab 500 KBE/m³ können sensible Personen Beschwerden haben. Bei chronischem Befall können Konzentrationen bis zu 50.000 KBE/m³ erreicht werden - das ist gefährlich. Kinder, ältere Menschen und Asthmatiker sind besonders betroffen. Das Umweltbundesamt schätzt, dass Schimmel in Deutschland jährlich 150.000 Atemwegserkrankungen verursacht.
Wie viel kostet eine Freimessung?
Eine Freimessung kostet zwischen 150 und 300 Euro pro Raum - je nach Anzahl der Proben und dem Labor. Das ist ein geringer Preis im Vergleich zu den Folgekosten einer fehlgeschlagenen Sanierung. Viele Firmen versuchen, dich mit billigen „Sichtprüfungen“ abzuspeisen. Eine echte Freimessung hat ein Laborprotokoll mit Sporenanzahl, Datum und Unterschrift. Frag nach dem Zertifikat des Labors - es muss nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert sein.
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