Warum herkömmliche Innendämmung im Altbau oft scheitert
Wenn du in einem Altbau wohnst und deine Wände dämmen willst, bist du nicht allein. Viele Hausbesitzer in Hildesheim, Hannover oder Leipzig versuchen genau das: mehr Wärme halten, Heizkosten senken - und gleichzeitig den Charme ihres Hauses bewahren. Doch viele scheitern an einem Problem: Schimmel. Plötzlich bilden sich dunkle Flecken an den Ecken, hinter Möbeln, an Deckenanschlüssen. Die Luft fühlt sich kalt und feucht an, obwohl die Heizung läuft. Was ist los?
Die Antwort liegt in der Bauphysik. Altbauten aus Ziegel, Naturstein oder Lehm sind nicht wie moderne Bauweise aufgebaut. Sie sind diffusionsoffen - das heißt, sie nehmen Feuchtigkeit auf, speichern sie und geben sie wieder ab. Das ist kein Fehler, das ist ein Design-Prinzip. Doch wenn du eine herkömmliche Styropor- oder Mineralwoll-Dämmung von innen anbringst, blockierst du diesen natürlichen Feuchtigkeitsaustausch. Die Wand wird kalt, die Luftfeuchtigkeit sammelt sich an der Innenseite der Dämmung, und schon entsteht Schimmel. Es ist nicht die Luft, die schuld ist. Es ist die Dämmung.
Was ist kapillaraktive Dämmung - und warum ist sie anders
Kapillaraktive Innendämmung ist kein Marketingbegriff. Es ist eine Technik, die sich an der Natur orientiert. Stell dir vor, die Wand atmet. Genau das tun Materialien wie Kalziumsilikatplatten. Sie haben Millionen winziger Poren, die wie ein Schwamm Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen, wenn es zu feucht ist - und wieder abgeben, wenn die Luft trockener wird. Keine Dampfsperre. Kein Verschluss. Kein Einfrieren der Feuchtigkeit in der Wand.
Im Vergleich zu Styropor, das wie eine Plastikfolie wirkt, ist kapillaraktive Dämmung ein aktiver Teil des Raumklimas. Sie puffert Feuchtespitzen. Bei 65-75 % Luftfeuchtigkeit kann ein Quadratmeter dieser Platte bis zu 150 Gramm Wasser speichern. Das ist mehr als eine Flasche Wasser pro Quadratmeter - und das ohne dass die Wand nass wird. Die Feuchtigkeit wandert nicht fest, sie fließt zurück. Das nennt man kapillare Aktivität: Wasser bewegt sich durch winzige Kanäle im Material, wie ein Baum, der Wasser aus der Erde nach oben zieht.
Welche Materialien gibt es - und was unterscheidet sie
Nicht alle kapillaraktiven Systeme sind gleich. Die bekanntesten sind Kalziumsilikatplatten. Sie haben eine Wärmedämmung von 0,055 bis 0,065 W/(m·K), sind nicht brennbar und halten bis zu 1.000 °C aus. Das ist kein Gimmick - im Brandfall geben sie dir Zeit, dich zu retten. Sie wiegen 200-300 kg pro Kubikmeter, sind mineralisch, ohne Kunststoffe, und passen perfekt zu alten Mauern.
Aber es gibt auch eine andere Option: der Heck AERO iP Dämmputz. Er wird nur 3-5 mm dick aufgetragen und hat eine Wärmedämmung von 0,018 W/(m·K). Das ist besser als viele dicke Platten. Er eignet sich, wenn du keinen Platz verlieren willst - zum Beispiel bei Fensternischen, Treppenhäusern oder in kleinen Zimmern. Er ist nicht für alle Wände geeignet, aber wenn du raumsparend sanieren musst, ist er eine der effizientesten Lösungen.
Und die Oberfläche? Die muss auch passen. Remmers iQ-Paint ist kein gewöhnlicher Anstrich. Er ist diffusionsoffen, kapillaraktiv und kann nur mit 2 mm Spachtelstärke aufgetragen werden. Alles mehr, und die Feuchtigkeit kann nicht mehr richtig entweichen. Es ist wie beim Kaffee: Der Becher muss porös sein, sonst wird er nass.
Warum kostet das mehr - und lohnt es sich trotzdem
Ja, kapillaraktive Systeme sind teurer. Kalziumsilikatplatten kosten 35-45 € pro Quadratmeter. Styropor? 15-25 €. Das ist ein Unterschied von fast 50 %. Und die Verlegung? Ein erfahrener Handwerker braucht 3-5 Tage für ein Zimmer, weil er jede Naht, jeden Anschluss, jede Ecke genau abdichten muss. Das erhöht die Kosten um 20-30 %. Und ja: Es gibt Anbieter, die „kapillaraktiv“ auf die Packung schreiben, obwohl ihr Material nur eine Dampfsperre mit ein paar Löchern ist. 15-20 % der Produkte auf dem Markt sind falsch beschriftet.
Aber schau dir die langfristigen Kosten an. Ein Nutzer aus Hildesheim, der 2022 seine 1890er Villa sanieren ließ, berichtet: „Schimmel war weg. Die Heizkosten sanken von 1.850 € auf 1.443 € pro Jahr - also 407 € Ersparnis.“ Das rechnet sich in vier Jahren. Und was ist mit Gesundheit? Mit Schimmel verbundenen Atemwegserkrankungen? Mit Mietminderungen? Mit Wertverlust? Diese Kosten zählt niemand - aber sie existieren.
Und dann gibt es noch den Denkmalschutz. Wenn du eine historische Fassade hast, ist eine Außendämmung oft nicht erlaubt. Dann bleibt dir nur die Innendämmung. Und die muss funktionieren. Kapillaraktive Systeme sind die einzige Lösung, die nicht nur wärmt, sondern auch erhält.
Was du vorher prüfen musst - und was du nicht übersehen darfst
Ein Fehler, den 35 % aller Sanierungen machen: Sie dämmen, ohne die Ursache der Feuchtigkeit zu prüfen. Wenn deine Wand nass ist, weil ein Rohr bricht, oder weil die Dachrinne verstopft ist, dann bringt jede Dämmung nichts. Du musst zuerst die Quelle finden. Ist es ein Leck? Ein fehlender Horizontalsperre? Eine schlechte Lüftung? Dr. Thomas Krämer vom Fraunhofer-Institut sagt klar: „Kapillaraktive Systeme sind kein Allheilmittel. Sie sind ein Baustein - aber nur, wenn die Wand trocken ist.“
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) empfiehlt: Nach der Montage mindestens zwei Monate trocknen lassen. Kein Anstrich, kein Möbel rein. Die Wand muss atmen. Und dann: Keine Dampfsperre an der Innenseite. Die Dämmung muss nach außen hin diffusionsoffener werden. Sonst wird die Feuchtigkeit nach innen gedrückt - genau das, was du vermeiden willst.
Wer sollte es machen - und wer nicht
Als Heimwerker? Nicht empfehlenswert. Nur 28 % der Selbstgemachten haben nach zwei Jahren keine Probleme. Die Platten müssen perfekt verklebt werden. Die Nähte müssen abgedichtet sein. Die Übergänge zu Fenstern, Decken und Fußböden müssen mit speziellen Dichtungen versehen werden. Ein einziger falscher Fleck - und die Feuchtigkeit sammelt sich dahinter. Du siehst nichts. Du riechst nichts. Und dann kommt der Schimmel.
Professionelle Handwerker? Ja. Die besten Systeme kommen von ISOTEC, Knauf, Remmers oder TecTem®. Knauf hat 2023 sein Produkt Knauf Therm Capillary Plus vorgestellt - mit 25 % höherer Feuchtespeicherung. Und die DFG fördert seit 2024 ein Projekt an der TU Dresden, das genau das untersucht: Wie lange halten diese Systeme wirklich? Mit 1,2 Millionen Euro. Das ist kein Zufall.
Der Markt wächst. 2020 gab es 185 Millionen Euro Umsatz mit kapillaraktiven Dämmungen. 2023 waren es 241 Millionen. Und bis 2027 soll der Anteil am Innendämmungsmarkt von 37 % auf 52 % steigen. Warum? Weil die Gesetze sich ändern. Die EU-Richtlinie 2023/864 schreibt vor: Bei Sanierungen an Altbauten muss das Feuchtigkeitsmanagement mitgedacht werden. Kapillaraktive Systeme sind nicht mehr nur clever - sie sind zukunftssicher.
Was kommt als Nächstes - und wo du dich informieren kannst
Die Zukunft der Altbau-Sanierung liegt in der Kombination. Nicht nur Dämmung. Sondern auch Fenster, Lüftung, Heizung. Aber: Wenn du die Wände falsch dämmst, bringt das beste Fenster nichts. Die Feuchtigkeit bleibt. Und Schimmel kommt zurück.
Wenn du planst, deine Wohnung zu sanieren, hole dir drei Gutachten. Frag nach den Materialien. Frag nach den Herstellern. Frag, ob die Platten wirklich kapillaraktiv sind - und nicht nur „diffusionsoffen“. Prüfe, ob der Handwerker Erfahrung mit Kalziumsilikat hat. Und lass dich nicht von Billigangeboten täuschen. Es geht nicht um den Preis. Es geht um die Gesundheit. Und um den Wert deines Hauses.