Warum automatische Türen im Bestand mehr sparen als sie kosten
Stellen Sie sich vor, Sie öffnen eine Tür - und sie tut es von allein. Kein Drücken, kein Ziehen, kein Anstehen mit Einkaufstaschen oder Rollstuhl. Das ist nicht Zukunftsmusik, das ist heute Realität in vielen Gebäuden. Doch viele Hausbesitzer, Vermieter und Kommunen zögern noch, weil sie denken: automatische Türantriebe sind teuer, verschwenden Strom und kompliziert zu installieren. Die Wahrheit ist anders: Mit dem richtigen System sparen Sie mehr Energie, als Sie verbrauchen - und machen Ihr Gebäude barrierefrei, ohne es umzubauen.
Im Jahr 2025 ist es kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit. Die DIN 18040-1 schreibt seit 2017 vor, dass öffentliche Gebäude barrierefrei sein müssen. Bis 2025 müssen alle Bäder, Ämter, Supermärkte und Krankenhäuser entsprechend ausgestattet sein. Doch was ist mit Altbauten? Mit 88 % der bestehenden Gebäude ohne automatische Türen (Bundesverband Deutscher Fertigbau, 2022) liegt hier ein riesiges Potenzial. Die Lösung: Nachrüstung. Kein Abriss, kein Neubau - nur ein Antrieb, der die bestehende Tür automatisch öffnet und schließt.
Wie viel Strom verbrauchen moderne Türantriebe wirklich?
Die größte Angst vor automatischen Türen ist der Stromverbrauch. Viele glauben, sie laufen rund um die Uhr mit voller Leistung. Das ist falsch. Moderne Systeme wie der ASSA ABLOY ecoLOGIC ein KI-gesteuertes Türantriebssystem, das sich an Fußgängerverkehr und Wetter anpasst oder der Dorma ED 100 ein Low-Energy-Antrieb mit nur 8,2 Wh im Standby verbrauchen kaum mehr als eine LED-Lampe.
Im Stillstand, also wenn niemand kommt, liegt der Verbrauch zwischen 8,2 und 12,7 Wh pro Stunde. Das sind pro Jahr etwa 72 bis 111 kWh - bei einem Strompreis von 47 Cent pro kWh also zwischen 34 und 52 Euro. Im Vergleich: Eine alte, ständig offene Tür in einem beheizten Gebäude lässt pro Jahr bis zu 15 % mehr Wärme entweichen (Fraunhofer-Gesellschaft, 2022). Das entspricht bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus bis zu 200 Euro verlorene Heizkosten - mehr als das Doppelte des Stromverbrauchs des Antriebs.
Die neuesten Systeme wie der Hörmann PortaMatic ein energieeffizienter Antrieb mit jährlichen Stromkosten von unter 15 kWh bewerben sich mit weniger als 3 Euro pro Jahr - das ist kein Marketing-Gag. Es stimmt, wenn die Tür richtig eingestellt ist. Die Sensoren erkennen, wann jemand kommt, öffnen nur kurz, schließen sofort. Kein unnötiges Offenbleiben. Ein herkömmliches Modell ohne Intelligenz kann bis zu 288 Stunden pro Jahr unnötig offen stehen - das ist fast 12 volle Tage. Das ist Energieverschwendung. Intelligent gesteuerte Systeme reduzieren das um 8 % und mehr.
Welche Antriebe eignen sich für den Nachrüstungseinsatz?
Nicht jeder Antrieb passt zu jeder Tür. Es gibt zwei Haupttypen: Low-Energy und Full-Energy. Beide sind für die Nachrüstung geeignet - aber für unterschiedliche Türen.
- Low-Energy-Antriebe (z. B. Dorma ED 100, ASSA ABLOY SL500) haben ein Drehmoment von max. 25 Nm. Sie eignen sich für Türen bis 80 kg und sind ideal für Wohnhäuser, Arztpraxen oder kleine Geschäfte. Sie stoppen sofort, wenn sie auf Widerstand treffen - das ist Pflicht nach EN 16005 für barrierefreien Zugang.
- Full-Energy-Antriebe (z. B. GEZE Powermatic, Hörmann PortaMatic Pro) liefern bis zu 150 Nm Drehmoment. Sie bewältigen schwere Drehflügeltüren aus Holz oder Glas bis 150 kg. Typisch für Krankenhäuser, Altenheime oder öffentliche Gebäude mit schweren Eingangstüren.
Die Türbreite spielt auch eine Rolle. Die meisten Systeme unterstützen bis zu 1.600 mm Breite. Bei schmalen Durchgängen in Altbauten sind Drehflügeltüren oft die einzige Option. In Neubauten sind Schiebetüren üblich - aber die Nachrüstung von Drehflügeln ist heute mit Universaladaptern problemlos möglich.
Ein entscheidender Faktor: Die Integration. Systeme wie der GEZE Bus-Modul ein Universaladapter zur Verbindung mit Gebäudeleittechnik verbinden den Türantrieb mit der Heizungs- oder Sicherheitsanlage. Das ist kein Extra, das ist Smart Building. Wenn die Heizung runterfährt, schließt die Tür schneller. Wenn die Sicherheit aktiviert ist, bleibt sie verschlossen - auch wenn jemand am Sensor vorbeigeht.
Installation: Wer macht das, wie lange dauert es?
Ein Türantrieb ist kein Heimwerkerprojekt. Es ist eine elektrische Installation - und das bedeutet: Nur ein Elektriker mit Elektrofachkraft-Qualifikation (DGUV Vorschrift 3) darf das machen. Das ist nicht nur Vorschrift, das ist auch Sicherheit. Falsch angeschlossene Sensoren können die Tür unkontrolliert öffnen oder blockieren - ein Risiko für Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderungen.
Die Installationszeit liegt bei durchschnittlich 2,5 Stunden pro Tür, laut Handwerkskammer München (2023). Das klingt kurz - aber die Vorbereitung ist entscheidend. Der Elektriker prüft:
- Ob die Tür senkrecht hängt und nicht anläuft
- Ob das Türrahmenmaterial tragfähig ist (Holz, Stahl, Beton)
- Ob die Stromversorgung ausreichend ist (meist 230 V, 10 A)
- Ob Sensoren und Taster an der richtigen Stelle montiert werden können
Ein Fehler hier - und die ganze Anlage funktioniert nicht richtig. Die Sensoren müssen genau auf die Fußgängerströme abgestimmt sein. Zu empfindlich? Dann öffnet die Tür bei jedem Vorbeigehen. Zu träge? Dann bleibt sie zu, wenn jemand wirklich will. Die meisten Supportanfragen (41 % bei ASSA ABLOY, Q1 2023) kommen von Nutzern, die die Sensoren selbst eingestellt haben - und scheiterten.
Die Kosten: Was kostet eine Nachrüstung wirklich?
Die Anschaffungskosten liegen zwischen 1.200 und 2.500 Euro pro Tür, ohne Installation. Das ist viel - aber es ist eine Investition, die sich rentiert.
Der Hörmann PortaMatic ist 25 % günstiger im Betrieb als GEZE oder Dorma, aber hat weniger Smart-Home-Funktionen. Der ASSA ABLOY ecoLOGIC ist teurer, aber mit KI und Cloud-Steuerung die effizienteste Lösung. Wer sparen will, kann nachträglich das Sustainable-Mode-Nachrüstset ein Zusatzmodul von ASSA ABLOY, das den Stromverbrauch um 19 % senkt für 32 Euro hinzufügen. Es wird bei der nächsten Wartung aktiviert - kein neuer Antrieb nötig.
Die Installation kostet zwischen 400 und 700 Euro, je nach Aufwand. In Altbauten mit alten Leitungen oder fehlenden Stromanschlüssen kann es teurer werden. Aber: Die Einsparungen kommen schnell. Ein Handelszentrum mit 100 Türen spart nach einer ASSA ABLOY-Studie 14.000 kWh pro Jahr - das sind über 6.500 Euro bei 47 Cent pro kWh. Die Anlage amortisiert sich in 2-4 Jahren.
Und dann kommt der größte Vorteil: Barrierefreiheit. In 89 % der Nutzerberichte auf barrierefrei.de wird die Erleichterung für Senioren und Menschen mit Behinderungen als Hauptgrund genannt. Ein Pflegeheim in der Schweiz berichtet, dass die Pflegekräfte pro Tag 15 Minuten weniger Zeit mit Türöffnen verbringen - das ist pro Jahr mehr als 50 Stunden pro Mitarbeiter. Das ist mehr als ein ganzer Arbeitstag - pro Jahr.
Was kann schiefgehen - und wie vermeiden Sie Fehler?
Die Technik ist zuverlässig. Aber die Fehler liegen beim Menschen.
- Falsche Sensor-Einstellung: Die häufigste Ursache für Probleme. 37 % der Nutzer brauchen professionelle Hilfe, um die Sensoren richtig zu kalibrieren. Lassen Sie das von Ihrem Installateur machen - nicht von Ihrem Nachbarn.
- Unpassende Tür: Eine alte, verziehte Holztür mit Rütteln und Quietschen kann den Antrieb überlasten. Prüfen Sie die Tür vorher - eventuell braucht sie eine kleine Nachbearbeitung.
- Keine Wartung: Halbjährliche Kontrolle ist Pflicht. Schmieren Sie die Antriebswelle, prüfen Sie die Sicherheitsklemmen. Ein vernachlässigter Antrieb hört auf zu funktionieren - oder wird gefährlich.
- Keine Dokumentation: Einige Hersteller liefern nur 10-seitige Anleitungen. Hörmann gibt 178 Seiten mit Bildern - das ist Standard. Wenn Sie keine klare Anleitung haben, fragen Sie nach. Sie brauchen sie für Wartung und Versicherung.
Ein Tipp: Machen Sie ein Foto von der Einstellung der Sensoren, bevor Sie die Anlage in Betrieb nehmen. So können Sie bei Problemen zurückgehen - und brauchen keinen Techniker zu rufen.
Was kommt als Nächstes? Die Zukunft ist vernetzt
Die nächsten Schritte sind digital. Bis 2025 sollen 60 % der neuen Türantriebe IoT-fähig sein (Roland Berger, 2023). Das bedeutet: Die Tür spricht mit Ihrem Heizsystem, Ihrer Lichtsteuerung, Ihrer Sicherheitsanlage. Wenn die Heizung im Flur auf 20 Grad geht, öffnet die Tür langsamer, um Wärmeverlust zu minimieren. Wenn die Kamera erkennt, dass ein Rollstuhl kommt, öffnet sie früher und länger. Wenn die Sicherheit aktiviert ist, bleibt sie verschlossen - auch wenn jemand am Sensor vorbeigeht.
GEZE plant für Ende 2023 die Powermatic 3.0 mit 30 % weniger Standby-Verbrauch. ASSA ABLOY arbeitet an Systemen, die den Energieverbrauch nicht nur messen, sondern auch prognostizieren - basierend auf Wetter, Tageszeit und Besucherzahlen. Das ist kein Science-Fiction. Das ist der Standard von morgen.
Experten wie Dr. Markus Schneider von der Universität Stuttgart sagen klar: "Automatische Türen sind keine Energieverschwender - sie sind Energiesparer, wenn sie richtig eingestellt sind." Und das ist der Schlüssel: Richtig eingestellt. Nicht billig. Nicht schnell. Sondern professionell.
Was tun, wenn Sie eine Tür nachrüsten wollen?
- Prüfen Sie die Tür: Ist sie gerade, dicht, tragfähig? Wenn nicht, reparieren Sie sie zuerst.
- Bestimmen Sie den Typ: Low-Energy für leichte Türen bis 80 kg, Full-Energy für schwere Türen bis 150 kg.
- Wählen Sie den Hersteller: ASSA ABLOY für Smart-Home-Integration, Hörmann für niedrige Betriebskosten, GEZE für stabile Technik.
- Buchen Sie einen Elektriker mit Erfahrung in Türantrieben - nicht irgendeinen.
- Stellen Sie sicher, dass die Sensoren nach der Installation von einem Fachmann kalibriert werden.
- Legen Sie eine halbjährliche Wartung fest - und halten Sie sie ein.
Es ist nicht schwer. Es ist nur anders, als man denkt. Und es lohnt sich - nicht nur für die Umwelt, sondern für Ihre Rechnung, Ihre Sicherheit und für die Menschen, die Ihre Tür benutzen.
Kann ich einen automatischen Türantrieb selbst installieren?
Nein. Die Installation eines automatischen Türantriebs ist eine elektrische Installation und darf nur von einem Elektriker mit Elektrofachkraft-Qualifikation (DGUV Vorschrift 3) durchgeführt werden. Falsch angeschlossene Sensoren oder falsche Verkabelung können zu gefährlichen Situationen führen - die Tür öffnet unerwartet, bleibt blockiert oder reagiert nicht auf Notfälle. Zudem verliert die Garantie, wenn die Installation nicht von einem zugelassenen Fachmann durchgeführt wird.
Wie viel Strom verbraucht ein Türantrieb pro Jahr?
Moderne Low-Energy-Systeme wie der Dorma ED 100 verbrauchen etwa 8,2 Wh pro Stunde im Standby - das sind rund 72 kWh pro Jahr. Bei einem Strompreis von 47 Cent pro kWh sind das etwa 34 Euro. Full-Energy-Systeme verbrauchen etwas mehr, aber immer noch weniger als 120 kWh/Jahr. Im Vergleich dazu verursachen manuelle Türen, die oft offenbleiben, durch Wärmeverluste bis zu 200 Euro Heizkosten pro Jahr - das ist mehr als das Doppelte.
Welche Türantriebe sind am besten für Altbauten?
Für Altbauten eignen sich vor allem Drehflügeltüren mit Low-Energy-Antrieben wie dem ASSA ABLOY SL500 oder dem Dorma ED 100. Sie sind kompakt, benötigen wenig Platz und lassen sich an bestehende Türrahmen anpassen. Wichtig ist, dass die Tür selbst stabil und gerade hängt - alte, verfallene Türen müssen vor der Nachrüstung repariert werden. Universaladapter wie das GEZE Bus-Modul ermöglichen die Integration mit bestehenden Gebäudesystemen, auch wenn die Leitungen alt sind.
Kann ein Türantrieb die Heizkosten wirklich senken?
Ja - indirekt. Ein automatischer Türantrieb selbst verbraucht nur wenig Strom. Aber er verhindert, dass die Tür stundenlang offen bleibt. Studien der Fraunhofer-Gesellschaft zeigen: Manuelle Türen bleiben durch menschliches Vergessen bis zu 15 % länger offen als automatische. Das bedeutet mehr Wärmeverlust. Ein intelligent gesteuerter Antrieb schließt die Tür sofort, nachdem jemand durchgegangen ist. Das spart Heizkosten - bis zu 15 % der Heizkosten für den Raum, wenn die Tür gut isoliert ist.
Wie oft muss ein Türantrieb gewartet werden?
Bei einer Nutzung von 50 Öffnungen pro Tag empfehlen alle Hersteller eine halbjährliche Wartung. Dabei werden die Antriebsteile geschmiert, die Sensoren überprüft und die Sicherheitsmechanismen getestet. Bei starker Nutzung (über 100 Öffnungen/Tag) sollte die Wartung vierteljährlich erfolgen. Eine vernachlässigte Wartung führt zu Verschleiß, Fehlfunktionen und erhöhtem Stromverbrauch. Viele Probleme, die Nutzer als "Defekt" bezeichnen, sind einfach Wartungsfehler.